Die Geschichte des Priors Anselm Bilgri aus dem Kloster Andechs eignet sich für ein Gleichnis. Der Mönch führte das klösterliche Landgut, die Brauerei und investierte in die Restaurant-Kette Der Andechser. Jahrelang nahm er den Kunden und gab seinen Brüdern, worüber der Unternehmer in Kutte auch zu dozieren begann. Schnell wurde er einer, auf den die Manager hörten und dessen Buch Das rechte Maß sie lasen, weil er sich von vielen modernen Propheten unterschied. Denn er schrieb, was er lebte, und lebte, was er schrieb.

Jetzt kämpft Prior Anselm Bilgri um Ruf und Werk, weil ihn der Abt seines Benediktinerklosters des Amtes enthob und der Gastronomiebetrieb insolvent ist. Scheiterte er am Unterschied zwischen Managementtheorie und -praxis?

Erschüttert steht er da und mit ihm seine Lehre, gar nicht zu reden von jenen Propheten des modernen Managements, die nie ein Unternehmen führten: Fand Peter Drucker in den Kardinaltugenden effektiver Führung das rechte Maß? Was bleibt von Daniel Golemans Emotionaler Intelligenz im Alltag übrig? Wie kann Gary Hamel mit ein paar Ratschlägen den Wettlauf um die Zukunft gewinnen? Die drei würden sagen: Das sind die falschen Fragen. Ein wahrer Prophet würde nie versuchen, seine Lehre in die Tat umzusetzen. Das zeige die Erfahrung - seit biblischen Zeiten.