An diesem schwülen Sommerabend stehen die Würdenträger der Stadt Uelzen unter Bäumen, sie trinken Hundertwasser-Sekt und träumen vom Fremdenverkehr. Es ist der Tag der Uraufführung von Hundertwasser - Das Musical. Uelzen, dieses klanglich benachteiligte Städtchen in der Lüneburger Heide, verfügt seit einigen Jahren über einen Hundertwasser-Bahnhof, seither steigen die Leute hier manchmal aus - wegen des Bahnhofs. Jetzt also auch noch ein Musical. Es handelt von Hundertwassers Lebensgeschichte, findet statt im Theater an der Ilmenau, und hier, in Reihe 12, wölbt sich auch der Bauch von Liedermacher Konstantin Wecker. Er hat die Musik komponiert: ein bisschen Rock, ein bisschen Gospel, ein bisschen Cha-Cha-Cha, es tut nichts weh und bleibt nichts hängen. Auf der Bühne singt sich der Hundertwasser-Darsteller Achim Conrad mit angeklebtem Bart von Wien nach Paris und New York, dazwischen reibt er sein entblößtes Glied an einer dicken Wiener Stadträtin, die von Mozartkugeln singt - er versinkt in einer Bilderflut, zwischen rotblauen Spiralen, rotierenden Hakenkreuzen und regenbogenfarbenen Kostümen. Für Uelzen bleibt der Fremdenverkehr ein Traum.