Das F-Wort gilt als unfein. F wie "Frauenauto". Marketingleute fürchten, das schließe Männer aus. Männer könnten denken: Ein Frauenauto sei gar kein richtiges Auto, sondern eher eine Art motorisierter Einkaufswagen. Wird nicht jeder kleine Flitzer gleich zum "Hausfrauen-Porsche" ernannt? Am männlichen Ego scheint in der Tat einiges zu hängen. Aber: Was sind das für Autos, die frau gefallen?

Früher hießen sie Käfer oder Ente. Heute heißen sie Mini, MX 5, Beetle oder Honda Jazz. Alles Autos, deren Formgebung nicht die Sprache von Größe, Kraft und Status spricht. Frauen, so das Klischee, mögen es klein, niedlich, praktisch. Allerdings auch keineswegs immer: vernünftig. Mancher Fiat Barcetta wird von seiner wissenden Besitzerin ausgehalten wie ein in die Jahre gekommener Gigolo. Kein Autohersteller jedenfalls veröffentlicht Studien darüber, was Frauen wirklich von Autos erwarten.

Vor einiger Zeit jedoch entzündete Volvo die Fackel der Aufklärung und ließ von einem rein weiblichen Team eine Design-Studie entwickeln. Der daraus hervorgegangene Frauenversteher auf Rädern soll zum Beispiel eine Parklücke per Infrarot vermessen und sagen, ob der Versuch sich lohnt. Man kann ihn auch mit hohen Absätzen fahren, die Pedale stellen sich automatisch ein. Der Wagen vereinbart selbstständig Termine mit der Werkstatt. Ach ja: Er hat 215 PS. Und höchst unvernünftige Flügeltüren.

Die hatte auch einer der Urahnen des Mercedes SLK. Aber das ist lange her. Die erste Baureihe brachte erstmals das komplett versenkbare Blechdach in einigermaßen bezahlbare Reichweite. Ein zweisitziges Cabrio, das bei jedem Wetter zu gebrauchen und mit geschlossenem Deckel auch bei hohen Geschwindigkeiten erträglich ist. Der SLK machte Karriere als Popstar. Trotz bescheidener Innenausstattung und Schwächen im Fahrwerk wurden von der ersten Baureihe über 300000 Stück verkauft – ein Drittel davon an Frauen. Im neuen SLK nun bekommen sie, werden Motor-Machos stänkern, den Friseurbesuch gleich ab Werk dazu.

Airscarf – zu Deutsch: Luftschal. Das ist die poetische Bezeichnung für ein Gebläse, das eine Warmluftzone um den Hals schaffen soll. In den Lehnen untergebrachte Keramikelemente werden elektrisch beheizt, die Wärme über Gebläse in die Kopfstützen gebracht.

"Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann" – diese goldenen Worte von Loriot könnte man in die Einstiegsleisten gravieren lassen.

In einem offenen Wagen die Luft zu beheizen – das erinnert an Hallen-Skifahren im Ruhrgebiet. Also durchaus schlüssig für Leute, die bei fast jedem Wetter offen fahren wollen. Außer bei Regen. Und selbst das könnte mit dem SLK 350 kaum noch ein Problem sein. Er ist so schnell, dass man meint, damit unter den Tropfen hindurchfahren zu können.

Zu leugnen, dass 272 PS der Frau in uns allen Spaß machen, hieße lügen. Auch wenn der kleine Zweisitzer gut 1,5 Tonnen schwer ist: Das Gewicht drücken die sechs Zylinder locker weg. In der Stadt kann seine Drehfreude mitunter lästig werden. Nähert man sich einer dunkelgelben Ampel und tritt aufs Gas, schaltet die Siebengang-Automatik bis zu vier Gänge zurück und lässt den Motor heulen wie eine ganze Flotte von aufgemotzten Dreier-BMWs in Neukölln. Uncool. Aber vermeidbar. Gerade mit einer solchen Horizontalrakete sollte man auf Etikette achten, stilvoll bremsen und die Ampelphase zum Öffnen und Schließen des Verdecks nutzen. Das ist ungefähr das einzige Mittel, als Insasse eines SLK Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.