Langsam senkt sich der runde Presskopf auf die schwarze Masse. Ein Zischen, die Presse hebt sich und eine dünne Platte liegt auf der Maschine. In der Ecke der Halle brummt eine Pumpe, nebendran summt ein riesiger Elektro-Ofen, irgendwo pfeift ein Hydraulikventil – Schallplattenpressen ist ein lautes Geschäft. Nur schwer sind die Worte von Carsten Haupt zu verstehen. Er geht ins Büro, beginnt erneut die Geschichte zu erzählen. Die Geschichte von drei Sachsen, die Schallplatten pressen. Die Geschichte von den Anfängen in Bolivien und Russland, von heute 15 Angestellten und von vollen Auftragsbüchern, kurz: die wundersame Geschichte der Celebrate GmbH.

Stollberg im Sommer 2000: Im Sachsencenter, einer Disko im Gewerbegebiet, besprechen Carsten Haupt, Frank Kirschner und Tobias Büttner ihr neuestes Projekt: ein Schallplattenpresswerk. Die drei haben Erfahrung in der Szene. Büttner, heute 35 Jahre alt, gehört das Sachsencenter, Kirschner, 29, hat dort die Musik- und Lichtanlage eingebaut, und der 33 Jahre alte Haupt hat schon zu DDR-Zeiten als Discjockey Volksfeste beschallt: mit selbst gemischten Kassetten und einer Lichtorgel aus Autoscheinwerfern.

Der glückliche Deal mit Señor Ibanez

Seit einigen Jahren pressen die drei eigene Musik auf CDs, verkaufen sie an befreundete DJs. Doch die verlangen Vinyl. Die Schallplatte, lange totgesagt, ist wieder in. Zwar werden auch im neuen Jahrtausend pro Jahr nur knapp zwei Millionen LPs und Maxi-LPs verkauft (und über 160 Millionen CDs) – doch das ist immerhin eine Verdopplung gegenüber der Mitte der Neunziger. Auf diesen Trend wollen die Sachsen setzen – und selbst Platten pressen. Doch womit?

Haupt, Kirschner und Büttner recherchieren nach gebrauchten Pressmaschinen, denn neue werden schon lange nicht mehr gebaut. Schließlich finden sie ein Angebot im Internet. Señor Ibanez von Ibanez Audio möchte seine Firma auflösen, allerdings in La Paz, der Hauptstadt von Bolivien. Büttner und Kirschner fliegen nach Südamerika, mit einem Kredit von 600000 Euro – und ohne ein Wort Spanisch zu können.

Doch in La Paz finden sie, was sich suchen: Pressmaschinen. Vier Halbautomaten der schwedischen Marke Toolex Alpha. Jeweils drei mal groß wie eine Waschmaschine und ein paar Tonnen schwer. Über eine Dolmetscherin verhandeln sie mit dem Besitzer, werden sich rasch einig. Eine Transportfirma verschifft die Pressen ins Erzgebirge. Kaum sind die Maschinen dort, werden die Firmengründer erneut fündig, diesmal in Russland: Kirschner und Büttner brechen wieder auf, fliegen nach Sankt Petersburg, kaufen dort vier weitere Toolex Alpha. Als sie kurz darauf noch irgendwo eine Galvanikmaschine zur Herstellung der Pressmuster auftreiben, haben sie alle Einzelteile eines Plattenwerks zusammen. In einer kleinen Containerhalle neben dem Sachsencenter bauen sie die Maschinen auf. Es ist Mai 2001. Die Celebrate GmbH nimmt ihre Produktion auf.

Frühjahr 2004. Carsten Haupt, Geschäftsführer von Celebrate, sitzt am Schreibtisch in seinem Büro direkt über dem Sachsencenter. Auf einem großen Fernseher läuft stumm MTV. Eine Wand ist von einem Regal mit mehreren hundert Platten verstellt, daneben hängt ein Foto: Kirschner, Büttner und Haupt lachen in die Kamera, in der linken ein Glas Sekt, in der Rechten eine Zigarre – die erste erfolgreiche Pressung.

"Der Markt ist einfach da. Viele Leute wollen wieder ein Medium, das irgendwie handgemacht wirkt", sagt Haupt. Das ist seine Erklärung, warum die Schallplatte in Zeiten von CD und DVD wieder so gut läuft. Zugegeben, sagt er, die CD sei viel praktischer. "Aber sie klingt anders, fühlt sich anders an. Für mich wäre ein Leben ohne Schallplatte wie eine Krankheit."