Entsetzt bin ich über die Neuigkeiten auf dem Schulbuchmarkt. Ist denn modernes Deutsch gleichbedeutend mit gutem oder gar besserem Deutsch?

Es ist doch nicht zu fassen, dass wir nach der ebenfalls sehr fragwürdigen Rechtschreibreform nun auch noch gutes deutsches Schriftgut verändern müssen, damit es (besser?) verstanden wird. Herr Rölleke hat Recht: Man zerstört Kunstwerke.

Bildung war nie und wird nie ein Unterhaltungsprogramm sein dürfen, davon haben die Schüler in ihrer Freizeit wahrlich genügend.

INA SCHULZE-BAUMHOFF, WUPPERTAL

Der alte Bildungsdünkel der Deutschen kommt mal wieder zum Vorschein! Der Deutschen heiligste Güter, die deutsche Sprache und ihre klassischen Dichter, dürfen nicht angerührt werden! Entsetzlich und schlampig, tönt der Germanist Heinz Röllecke (obwohl er als Grimm-Spezialist den geistesgeschichtlichen Ursprung der deutschen Sprach- und Dichtervergottung kennen und durchschauen müsste).

Ich bin einer dieser abgewatschten Deutschlehrer, ich habe eine solche Lektüre (Kleider machen Leute) im Unterricht (Realschule) eingesetzt, und zwar ohne jedes schlechte Gewissen. Meine Schüler haben den Text gerne gelesen!

Auch verändert sind die klassischen Texte noch so anspruchsvoll und komplex und ungewöhnlich in ihrem Sprachduktus, dass das sprachliche Vermögen der Schüler durchaus gefördert wird - und zwar mehr als bei aktuellen Jugendbüchern, die die zurzeit angesagten Problemthemen wie Gewalt und Drogen behandeln und sprachlich sehr einfach gestrickt sind.