Das ist ja wie im Märchen: Einige wackere Gymnasiasten machen sich auf den langen und entbehrsamen Weg, um das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm zu digitalisieren. 1998 hatte die Quälerei begonnen - abgestürzte Computer und böse Rechtschreibfehler säumen den Pfad der jungen Helden. Denn wie mittelalterliche Mönche schrieben die 15 Unermüdlichen die 32 Bände Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Seite für Seite ab. Ursprünglich 84 Kilo Papier sind nun auf zwei CD-ROMs zusammengepresst, die im Verlag Zweitausendeins erschienen. Wie aus dem Dornröschenschlaf erwacht, feiert das Mammutwerk aus dem Jahre 1837 seine Neuentdeckung. Und zwar in Nanjing. Denn es waren chinesische Gymnasiasten, die sich des Standardwerks für die deutsche Sprache annahmen. Endlich müssen wir uns nicht mehr um die deutsche Kultur sorgen, denn das übernehmen jetzt asiatische Forscher. Und womöglich sogar besser: Etliche Druckfehler sollen beseitigt und falsche Modernisierungen durch Muttersprachler (wie etwa frouwe zu frauwe) vermieden worden sein. Nur zur Beruhigung: Die Trierer Universität wachte über das transnationale Projekt. Als ein Vorteil für das Tippen in der Ferne werden auch niedrigere Kosten genannt. Kultur zu Dumpingpreisen! Wenn das die Gebrüder Grimm gewusst hätten. Dabei kommt das Wort China im Deutschen Wörterbuch gar nicht vor.