Freiheit für Cornwall.

Bald ist Weihnachten. Und damit die Zeit, in der die Macher der sozialkritischen US-amerikanischen Comicserie The Simpsons traditionell besonders mutig auf weltpolitische Missstände hinweisen. Wer allerdings darauf gewettet hat, dass dieses Jahr die Bush-Regierung der Spott der gelben Männchen trifft, liegt knapp daneben. Das Christmas Special der Serie widmet sich einer weniger schwerbewaffneten Befreiungsbewegung: den Separatisten Cornwalls. Lisa Simpson, politisch bewegter Spross der Mittelschichtfamilie, wird glaubwürdigen Berichten zufolge durchs Haus rennen und dabei Rydhsys rag Kernow lemmyn! schreien, heimatsprachlich für Freiheit für Cornwall, jetzt!. Witzig ist das überhaupt nicht. Immerhin verlangen 50 000 von 350 000 Cornwallern ein eigenes Parlament.

Joseph Rovan.

Seine Erinnerungen überschrieb Joseph Rovan mit Memoiren eines Franzosen, der sich daran erinnert, Deutscher gewesen zu sein. Knappe Botschaft eines reichen Lebens. Rovan, Sohn aus jüdischem, zum Protestantismus konvertierten Hause, wechselte im Pariser Gefängnis erneut den Glauben, wurde Katholik, kurz bevor der Deportationszug nach Dachau abging. Pierre Citron, dies sein nom de guerre in der Résistance, verließ als einer der Letzten das befreite KZ und begann als einer der Ersten die Arbeit am friedlichen Miteinander der Erbfeinde am Rhein. Das Deutschland, das wir verdienen hieß gleich 1945 seine Mahnung an die eigenen Landsleute. Mitgründer des Deutsch-Französischen Jugendwerkes, Professor und Publizist, Historiker und Kanzlerberater von Helmut Kohl, wirkte Rovan zeitlebens für etwas, das altmodisch Begegnung und heute Netzwerk heißt, ein Mittler zwischen dem Vaterland seiner Väter, dem Mutterland seiner Söhne. Und als Mann unerschöpflicher Hoffnung, mit einer Moral, so eisern wie seine Überzeugung, wurde er zu einer Schlüsselfigur des deutsch-französischen Verhältnisses. Kurz nach seinem 86. Geburtstag ertrank Joseph Rovan vergangene Woche beim Schwimmen.