Die Bosse der meisten deutschen Großunternehmen wollen ihren anonymen Arbeitgebern, den Aktionären, partout nicht mitteilen, wie viel sie verdienen. Lieber machen sie sich zu Buhmännern der Nation, kritisiert von Regierung und Opposition.

Fürchten sie tatsächlich die deutsche Neidgesellschaft, wie einige von ihnen behaupten? Kaum. Der Neid der Masse hat die meisten Topmanager in Wahrheit noch nie gestört. Der wohl größte Großverdiener unter den Chefs, Joe Ackermann von der Deutschen Bank (2003: 7,72 Millionen Euro), gibt munter kund, wie viel er bekommt - und meint auch, das Geld zu verdienen.

Viel wahrscheinlicher ist, dass sie sich vor anderen Gefühlen fürchten.

Vor dem Neid etwa, der in ihnen selbst aufsteigen könnte, wenn der Kollege, mit dem sie bald zur alljährlichen Bergtour aufbrechen wollen, mit einer Million mehr zu Buche schlägt als sie selbst. Was denkt der sich insgeheim?

Unangenehm ist auch der öffentliche Spott, wenn der eigene Laden einmal nicht läuft, das Gehalt aber unverändert weiterfließt.

Ein hohes Salär für den leitenden Angestellten signalisiere den Mitarbeitern, dass sie einen starken Chef haben, finden die Angelsachsen. Was aber sagt das Geld dann über die vielen deutschen Spitzenleute aus, die zwischen einer und zwei Millionen Euro im Jahr herumkrebsen? Mittelmaß.

Die vielleicht schlimmste Furcht gilt in diesen Fällen der Reaktion der Ehefrauen: Die vielen Stehempfänge, die langweiligen Dinner, die abgebrochenen Urlaube - und wofür bitte?