Mit seinem Urteil zur Juniorprofessur hat das Bundesverfassungsgericht die Karrierepläne tausender Nachwuchswissenschaftler durcheinander gebracht. Sein nächstes Urteil zur Bildungspolitik könnte die Zukunftsperspektiven von über zwei Millionen Universitätsangehörigen verändern. So viele Studenten müssten für ihr Studium bezahlen, sollte das höchste deutsche Gericht entscheiden, wie es viele Experten erwarten: dass das Verbot von Studiengebühren durch den Bund gegen die Verfassung verstößt (siehe auch Seite 34).

In den zuständigen Ministerien von Bayern und Baden-Württemberg liegen allgemeine Gebührenmodelle bereits in den Schubladen. Die SPD-Länder halten sich mit eigenen Vorschlägen noch zurück. Aber auch ihre Hochschulen werden es sich langfristig nicht leisten können, auf Geld der Studenten zu verzichten. Im Wettbewerb um die besten Köpfe haben sie schon heute häufig das Nachsehen.

Nun will Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger das erste bundesweite Modell erarbeiten und muss dabei viele, teilweise gegensätzliche Ziele des bezahlten Studiums austarieren. Die Gebühren sollen den Hochschulen beträchtliche Einnahmen bescheren, künftige Akademiker jedoch nicht vom Studium abschrecken. Das Modell soll gerecht sein, ohne viel Bürokratie in Form von Ausnahmen und Sozialklauseln zu produzieren. Darlehen sollen das Bezahlen erleichtern, doch das Risiko ausgefallener Kredite ist ungeklärt.

Allzu viel sollten sich die Universitäten vorerst nicht von der Gebühreneinnahme versprechen. Die 1000 Euro pro Jahr und Student, die zurzeit im Gespräch sind, erbrächten - Verwaltungskosten und Stipendien abgezogen - eine Milliarde Euro pro Jahr. Damit könnten die Hochschulen gewiss eine beträchtliche Zahl an Tutoren und Assistenten zusätzlich einstellen, um die Lehre zu verbessern. Zu mehr wird das Geld jedoch nicht reichen. Zudem werden die Studentenbeiträge nur dann ihren Segen entfalten, wenn die entsprechenden Summen in der nächsten Sparrunde nicht wieder eingestrichen werden.

Die Beispiele anderer Länder stimmen da eher pessimistisch. So hat Australien, hierzulande gern als Vorbild gepriesen, nach der Einführung von Gebühren die staatlichen Zuschüsse für die Hochschulen Stück für Stück gesenkt. Auch in Österreich und England profitierte der Staat vom Studentengeld.

Um die Gebühren vor dem Zugriff der Finanzminister zu bewahren, wäre denkbar, ihre Höhe und Verwendung in einer Art Staatsvertrag festzulegen - kontrolliert von einer unabhängigen Expertenkommission. Eine derart starre Regelung hätte jedoch den Nachteil, ein anderes Ziel der Studiengelder zu konterkarieren: den Wettbewerb um die Studenten. Dieser wird nur dann zustande kommen, wenn es langfristig weitgehend den Hochschulen überlassen bleibt, wie viel Geld sie verlangen.