Als der Kölner Bildhauer Lutz Fritsch 1997 mit der Polarstern die deutsche Forschungsstation Neumayer in der Antarktis besuchte, stieß er an die Grenzen seiner Wahrnehmung: "Dimensionen, Höhen und Entfernungen waren nicht mehr fassbar." Dann fand er die künstlerische Antwort auf die Herausforderung einer maßlosen Natur: Er schuf die Bibliothek im Eis , einen grünen Container, knapp 12 Quadratmeter groß. Das Kunststück ist gerade in der Antarktis angekommen. Dort soll es bestückt werden mit 1000 von Künstlern und Wissenschaftlern gespendeten Werken, die den Antarktisforschern in Kälte und Isolation emotional Wärme geben. Günter Grass schenkte seine Hundejahre her.

Jetzt meldet die Universität Bielefeld stolz, dass auch ihre Wissenschaftler etwas spenden wollen. Der Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer schickt eine zweibändige Langzeitstudie über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Der Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann beteiligt sich mit einer Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung, und der Linguist Dieter Metzing sendet eine Dissertation zum Thema Lokator – multimodale Bedeutungskonstitution in situierten Agenten. So viel zur Wissenschaft. Die Kunst wird nun darin bestehen, die Polarforscher zu einem Besuch der Bibliothek zu überreden. Sabine Etzold