Turkmenistan, Albanien, Kaukasus? Deutsche Juristen vermutet man eigentlich mehr in einem Gerichtssaal in Hamburg oder einer Anwaltskanzlei in Konstanz. Thomas Meyer war dennoch in all diesen Ländern, und seit 2002 sitzt er in Belgrad. Er ist Rechtsberater in Serbien und Montenegro, unterwegs im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Studiert und promoviert hat der 41-Jährige in Bremen, Schwerpunkte Eigentumsrecht, Bankenrecht und Zahlungsverkehrsrecht. An der Universität Bremen war er auch wissenschaftlicher Mitarbeiter, und dort kam er zum ersten Mal in Kontakt mit der GTZ-Rechtsberatung.

Die Juristen unterstützen Staaten, die sich im Umbruch befinden, bei der Reform ihrer Rechtssysteme: Sie schulen Richter, beraten in Menschenrechtsfragen und bei Gesetzentwürfen. Ein Schwerpunkt in Osteuropa und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist dabei die Reform des Wirtschaftsrechts. Was Planwirtschaft war, soll Marktwirtschaft werden. Rechtsberatung in »Transformationsstaaten«, wie es im GTZ-Jargon heißt, dürfe dabei nicht mit herkömmlicher Entwicklungshilfe verwechselt werden, sagt Thomas Meyer.

Es geht nicht darum, deutsches Recht zu exportieren. Wenn die Menschen im Land die Gesetze akzeptieren sollen, müssen sie zusammen mit Einheimischen entwickelt werden, mit Richtern, Professoren und Politikern. Seinen Auftrag in Serbien und Montenegro fasst Thomas Meyer so zusammen: dabei helfen, die wirtschaftsrechtlichen Regelungen so umzugestalten, dass sich hier eine Marktwirtschaft entfalten kann. Das ist ein langwieriger Prozess. Das Eigentumsrecht ist noch zersplittert, eines der größten juristischen Probleme sieht Meyer in der mangelnden Rechtsdurchsetzung, in unerträglich langen Zivilverfahren: »Ein durchschnittliches Verfahren dauert 1200 Tage«.

Trotzdem kann der Leiter des GTZ-Büros in Belgrad durchaus auch einige Erfolge aufzählen: Da war dieser fürchterliche Gesetzentwurf über Finanzierungs-Leasing. Gemeinsam mit einem Experten aus Belgrad haben sie Verbesserungsvorschläge durchgesetzt. Mit großem Erfolg: Das Gesetz löste einen Boom aus, die Leasing-Wirtschaft ist explodiert, sagt Meyer. Bis Ende 2005 läuft das Projekt in Serbien und Montenegro. Wo Thomas Meyer dann weitermachen will, weiß er noch nicht, vielleicht einmal wieder in Deutschland. Arnfrid Schenk