Jeden Sommer das gleiche Spiel: Wenn die Ferien näher rücken, tönen die Veranstalter, dass sie ihre Ware nicht in letzter Minute zu Spottpreisen verscherbeln wollen. Meist gab es am Schluss trotzdem Kurzfristangebote in Hülle und Fülle. Dieses Mal jedoch scheint die Reisebranche ernst zu machen: Die Veranstalter haben ihr Last-Minute-Angebot deutlich verknappt. Flug- und Bettenkontingente wurden schon bei der Planung der Sommerkataloge zurückgefahren und die Frühbucherangebote massiv ausgebaut. Außerdem gibt es so etwas wie eine stillschweigende Allianz zwischen den großen Anbietern, die Preise nicht doch noch im letzten Augenblick zu senken.

Bei Branchenprimus TUI ist die Anzahl der Kurzfristreisen deutlich geringer als im Vorjahr, bei Neckermann heißt es, man habe den Last-Minute-Anteil für den Sommer 2004 sogar mehr als halbiert. "Aktuell verkaufen wir nahezu 100 Prozent der Reisen zum Katalogpreis," sagt TUI-Sprecher Robin Zimmermann. Das liegt zum einen daran, dass die Veranstalter die Preise schon im regulären Geschäft stark gesenkt haben, zum anderen an der guten Buchungslage. Asger Schubert, Sprecher bei Bucher Reisen, der Marke, unter der beim Thomas-Cook-Konzern der Schlussverkauf stattfindet: "Im vorigen Jahr gab es überdurchschnittlich viele Kurzfristofferten, weil Anfang des Jahres in der Hauptbuchungsphase der Irak-Krieg und Sars die Schlagzeilen bestimmten. Zur Schadensbegrenzung verkauften die Großen der Branche ihre Reisen zu Spottpreisen. Das ist dieses Jahr nicht der Fall."

Obwohl die Reiseunternehmen offiziell kaum Kontingente zur Resteverwertung weitergeben, freut sich L’Tur, Marktführer im Bereich Last Minute, über ein florierendes Geschäft. "Wir haben bisher mehr Reisen verkauft als im Vorjahr", sagt Sprecherin Tanja Huber. "Und das, obwohl 2003 unser Rekordjahr war." Wie passt das zusammen? "Ganz einfach", sagt Huber, "das Angebot wird immer breiter." Neben klassischen Veranstalterreisen verkauft L’Tur neuerdings auch selbst gemachte Arrangements. Billigflüge von Air Berlin, Hapag-Lloyd-Express oder Germanwings, aber auch von Liniencarriern wie Lufthansa, die immer häufiger touristische Ziele ansteuern, kombiniert das Baden-Badener Unternehmen mit vakanten Hotelbetten, und fertig ist eine neue Last-Minute-Reise.

Wer in den Süden will, der kommt also auch im August noch weg, allerdings nicht mehr zu jedem Termin und zu jedem Ort seiner Wünsche. "In diesem Sommer ist Flexibilität gefragt", sagt Bucher-Sprecher Schubert. Im Angebot hat sein Unternehmen derzeit Ziele wie das spanische Festland, Ibiza und die griechischen Inseln. Freie Plätze gibt es auch in der Türkei. Auf der Fernstrecke sind noch günstige Betten auf Kuba und Sri Lanka zu haben. Bei Wettbewerber L’Tur haben Kurzentschlossene gute Chancen auf freie Plätze in der Türkei und Spanien, hier insbesondere auf Mallorca.

Last-Minute-Reisen sind in diesem Sommer nicht nur knapper, sondern auch teurer geworden. Das ganz große Schnäppchen zum Spottpreis dürfte also eher die Ausnahme bleiben. Asger Schubert: "In diesem Sommer werden Last-Minute-Reisen 10 bis 20 Prozent unter Katalogwert verkauft, in den vergangenen Jahren dagegen waren es 30 Prozent und mehr."

Während das Sommergeschäft noch in vollem Gange ist, hat für die Veranstalter schon der Winter begonnen. Und den sollen die Kunden jetzt buchen, statt nach Sommerschnäppchen zu schielen: Fast alle großen Anbieter werben erstmals auch in den Winterkatalogen, die in diesen Tagen erscheinen, nicht nur mit Frühbucher-, sondern auch mit Super-Frühbucher-Angeboten. So bietet beispielsweise Alltours diese Superrabatte in 130 Hotels bei Buchung bis 30. September. Auch TUI und die Rewe-Marken ITS, Tjaereborg und Jahn-Reisen bieten solche Schnäppchen für Schnellentschlossene. Einen besonderen Gag hat sich Neckermann einfallen lassen: Am 9. und 10. August werden 1200 Reisebüros in ganz Deutschland ihren Kunden unter dem Motto "Spar dich weg – früh geweckt lohnt sich" Reisen aus den neuen Winterkatalogen schon ab sieben Uhr morgens anbieten. Wer tatsächlich zur frühen Stunde bucht, bekommt zusätzlich zum "Turbo-Abschlag" ein Bodyboard oder einen Pareo mit Neckermann-Signet.