Einige Arbeitslose in Leipzig können sich ein klein wenig Hoffnung machen. Dafür müssen sich 2000 Arbeiter in der belgischen Hauptstadt Brüssel um ihren Job sorgen. Im September will DHL, die Express- und Logistiksparte der Deutschen Post, über den Standort eines neuen Umschlagplatzes (Hub) für Europa entscheiden. Leipzig werden die besten Chancen eingeräumt. Brüssel, das neben der Zentrale von DHL bisher auch den größten europäischen Hub der Transportfirma beherbergt, könnten so nicht nur neue Jobs entgehen, auch der Verlust der bestehenden Stellen droht. Zwar sei nichts entschieden, so Postvorstand Peter Kruse, aber: Sollte der neue Hub nicht in Brüssel gebaut werden, erscheint beides möglich: dass Brüssel weiter betrieben wird oder dass wir auf Brüssel verzichten.

Ein Abzug von DHL käme für Belgien einem Desaster gleich. Nach der Pleite der Fluggesellschaft Sabena ist DHL einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Hauptstadt. Entsprechend groß ist der Druck auf den belgischen Staat, Haupteigner des Brüsseler Flughafens Zaventem und Verhandlungspartner von DHL. Größtes Hindernis in den Gesprächen ist der Wunsch von DHL nach mehr Nachtflügen - in Belgien ein brisantes Thema. Vergangenes Jahr war die dortige Regierungskoalition schon über der Frage zerbrochen, auf welchen Routen die Frachtflieger nachts Zaventem ansteuern sollen. Zwistigkeiten, die Leipzig in die Hände spielen. Für den Standort in Ostdeutschland spricht auch, dass die EU dort Beihilfen von 70 Millionen Euro genehmigt hat. Zudem äußerte auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement kürzlich die Erwartung, dass DHL nach Leipzig geht - dem Votum des Bundes, nach wie vor Haupteigner der Post, wird sich der Vorstand kaum entziehen können.