Die Vorstellung eines ganz und gar selbstständigen Roboters, der sich den Bedürfnissen seines menschlichen Besitzers anpasst, für ihn einkaufen, bügeln, den Schreibtisch aufräumen oder eine Redaktionskonferenz besuchen könnte, hat zugegebenermaßen etwas Verführerisches. In Alex Proyas Science-Fiction-Film I, Robot beliefert ein Konzern die Bürger der Vereinigten Staaten gleich flächendeckend mit einer neuen Generation solcher multifunktionalen Arbeitssklaven. Dem menschlichen Skelett nachempfunden, ist das seriell produzierte Modell NS 5 eine Mischung aus Putzhilfe, Leibwächter und anspruchslosem Haustier. Mit den praktischen Hausgenossen beruft sich I, Robot lose auf eine Hand voll 1950 entstandener Kurzgeschichten von Isaac Asimov. Im Gegensatz zum Autor, der in den künstlichen Menschen eine technologische Herausforderung sah, die man mit entsprechender Programmierung bequem in Schach halten kann, evoziert der Film jedoch die vertraute Urangst vor den Androiden. Immer wieder hat uns das Kino drastisch davor gewarnt, unsere Existenz leichtfertig einer Künstlichen Intelligenz anzuvertrauen. Die aufrührerische Maschinenfrau aus Metropolis, Stanley Kubricks mit Weichspüler-Stimme tötender Bordcomputer HAL oder auch der sich quecksilbrig seiner Opfer bemächtigende Terminator 2 waren Ausdruck jener populärkulturellen Maschinenphobie, die in I, Robot nun auf recht schlichte Weise ins Bild gesetzt wird.

Ähnlich wie Matrix 3 leidet auch Proyas Film unter der Diskrepanz zwischen inszenatorischer Beschleunigung und narrativem Phlegma, blitzschnellen Digitaleffekten und einer routiniert zusammengeklatschten Geschichte. Tatsächlich ist das Science-Fiction-Kino gerade im Begriff, an seinen eigenen Effekten zu ersticken. Angesichts von Pixelbildern, die Tausende von Cyborgs durch Straßen marschieren oder in Sekundenschnelle ameisenhaft an Wolkenkratzern emporklettern lassen, scheint sich ein halbwegs intelligentes Drehbuch von vornherein zu erübrigen. Die Regression des Genres wird befördert von seiner seltsamen Eigendynamik: Inzwischen ist der Resonanzraum der Cyborg-Mythologie so groß, dass selbst ein eindimensionaler Film wie I, Robot mehr oder weniger automatisch in komplexere Gedankenwelten vorstößt. Kaum ragt ein digitalisiertes Roboterärmchen ins Bild, lagern sich die Diskursfetzen sozusagen von ganz allein an.

In Alex Proyas Film steht Isaac Asimovs Wissenschaftsoptimismus neben den Maschinenalbträumen von Hollywoods Technothrillern, verschmelzen Halbwahrheiten zur Künstlichen Intelligenz mit den diffusen Nostalgiegefühlen des Jahres 2035. Im Titel schwingt die Kulturgeschichte des Abendlandes mit, und auf der Leinwand rollt ein Cyborg das Leib-Seele-Problem im Lichte der technizistischen Entfremdung auf: Wie lässt sich ein Bewusstsein von seiner perfekten Simulation unterscheiden? Wo genau verläuft die Grenze zwischen Daten und Empfindung? Leider sucht I, Robot für diese kurz im silbrig schimmernden Zukunftsraum aufblitzenden Fragen keine eigenen Antworten. Dafür tigert Will Smith als Action-Held mit klassischer Gereiztheit durch ein futuristisches Ambiente. Der coole Bulle und Turnschuhfetischist pflegt einen notorischen Androidenhass. Bei einem Autounfall wurde er anstelle eines kleinen Mädchens gerettet, da der zu Hilfe eilende Roboter für ihn die größeren Überlebenschancen berechnete. Seitdem ist er selbst ein halber Cyborg, in dessen Roboterarm sich Nervenbahnen mit Elektroden verbinden. Ausgerechnet Spooner, der Maschinenfeind, muss den Tod eines genialischen Wissenschaftlers aufklären. War es Selbstmord, oder ließ sich ein Roboter gegen alle einprogrammierte Untertänigkeit dazu verleiten, seinen Herrn aus mysteriösen Gründen umzubringen?

Proyas Film, der mit ein wenig mehr Drehbuchgeist zur hübschen Parabel hätte werden können, bleibt in altmodischen Action-Dichotomien stecken. Hier die kalte Maschinenverschwörung, dort der eine gutherzige, dem Menschen loyal verbundene Android namens Sunny. Der Ausnahmeroboter erweist sich als anrührende Maschine, deren Kulleraugen eigentlich nur noch die Tränendrüsen fehlen. Seite an Seite mit Will Smith kämpft sie gegen ihresgleichen, die sich zur Revolution gegen die menschlichen Schöpfer formieren. I, Robot lässt keinen Zweifel daran, dass der Homo sapiens die Krone der Schöpfung bleibt, zumal wenn er sich im schwarzen Ledermantel durchs Leben kalauert.

Der Kitsch und die menschelnde Botschaft dieser klassischen Zauberlehrling-Geschichte sind erstaunlich, da die Science-Fiction-Kultur eigentlich einen gewaltigen Schritt weiter ist. Immer wieder hat das Kino den Roboter als Spiegelbild und perfekten Menschen konstruiert, von Ridley Scotts melancholischem Blade Runner bis hin zu Arnold Schwarzeneggers Holzhammerheiland aus Terminator 2. Stets verwies die Seelensuche der Androiden auf andere, größere Entfremdungsszenarien, wurde ihre verzweifelt um Subjektbegriffe kreisende Elektrodenexistenz zum Spiegel einer Menschheit, die sich nicht mehr weiter um Moral und Ich-Ideale schert. In Alien IV wird Wynona Ryder als Cyborg entlarvt, weil sie sich in einer unmenschlichen Situation zu human verhält. Steven Spielbergs Kind-Roboter, der in A.I. den für sein mechanisches Innenleben zerstörerischen Spinat isst, um sich als Mensch zu beweisen, wurde zum Inbegriff des Androidendilemmas: Gerade in seinen bewegendsten Impulsen bleibt der Roboter als solcher erkennbar, weil er einfach zu selbstlos ist.

I, Robot ist ein begriffsstutziger Film, weil er immer noch den guten alten Helden feiert, während das Kino längst bewiesen hat, dass uns die Maschinenmoral der Zukunft ziemlich alt aussehen lässt.