Wenn ich fernsehe, dann ohne Ton, sagt der eigensinnige Junge Jean-Luc Godard, inzwischen 74 und noch immer neugierigster Bilderdenker des Films. Das Bild kommt vor dem Text, und nichts entlarvt die Dummheit der Gesellschaft so sehr wie die Dummheit der Bilder. Er spricht vom Film und nicht über den Film, erinnert daran, dass Filme geschnitten werden müssen und nicht nur aus aneinander gereihten Bildern bestehen. Liest man Godard, gehen einem die Augen auf, er macht unnachsichtig. Das Positiv ist uns gegeben, schreibt Franz Kafka, wir müssen das Negativ dazu machen. Die drei Gespräche mit Jean-Luc Godard sind wie eine Gebrauchsanleitung zu diesem poetischen Vorsatz. Sein Wunsch: Ich hätte gern die Olympischen Spiele gefilmt. Das wäre eine Aussicht geworden.

Jean-Luc Godard: Das Gesagte kommt vom Gesehenen - Drei Gespräche 2000/01

Verlag Gachnang & Springer AG, Bern/Berlin 2003 - 128 S., 21,50 e

SACHBUCH Auch die Filmkritikerin Frieda Grafe kommt aus jenen fünfziger Jahren, in denen Hoch- und Tiefkultur so fruchtbar gemischt wurden und Film nicht mehr nur über Inhalt und Schauspieler definiert wurde. Anderes wie der Erzählraum ist entscheidend oder - stets übersehen - die Farben des Films, die sie hier in Texten, Vorträgen und Gesprächen (1988 und 1997/98) beschreibt: Ich sehe was, das du nicht fühlst. Aufregende, kluge Betrachtungen zum Wundern, Nachdenken und Kopfschütteln, von einer Frau, die den Film lebensernst nimmt. Farbe im Film ist für Godard eine Frage der Moral, schreibt sie und spricht für sich.

Frieda Grafe: Filmfarben

Ausgewählte Schriften, 1. Band - Brinkmann & Bose, Berlin 2002 - 148 S., 22,- e