Drei dicke Männer spielen Dixieland, Häschen, ruft da einer seine Frau, deutet auf zwei freie Plätze. Auf dem Vorplatz des Berliner Tempodroms herrscht Biergartenstimmung. Dass Woody Allen am Sonntagabend pünktlich um sieben anfing, hat damit zu tun, dass sein Privatjet bis zehn vom Flughafen Tempelhof gestartet sein musste, Nachtflugverbot. Vor dem Tempodrom bilden sich Schlangen, was Jazzgiganten wie Sonny Rollins oder George Benson nicht schaffen: Allen hat das Tempodrom restlos ausverkauft. Das Berlin Mitte-Publikum ist nicht gekommen, Männer in grauen Socken und Sandalen stehen wie selbstverständlich in der Kulisse herum. Allen war noch nie live in Berlin, 3000 Woodyphile begrüßen ihn entsprechend stürmisch. In seinen drei knapp gehaltenen Ansagen nennt er die Musik seines Sextetts New Orleans Jazz, auch wenn eine Hymne wie Over In The Gloryland wohl eher in der deutschen Hit-Fassung als Ja, mir san mit'm Radl da wiedererkannt wird. Der Verständigung tut das an diesem Abend keinen Abbruch. Allens Klarinette klingt spröde und quiekend, ein bisschen so, wie er spricht, aber es wirkt sehr aufrichtig. Auch wenn seine Gage astronomisch gewesen sein soll, Allens Band klingt nicht anders als all die anderen in diesem Genre, die für ein paar Hundert Euro zum Frühschoppen aufspielen. Das Berliner Publikum dankt dem Filmemacher und Hobbymusiker mit stehenden Ovationen dafür, dass er endlich mal in der Stadt war, und nach sechs Zugaben eilt er davon in Richtung London, wo am nächsten Tag wieder gedreht wird. Mag sein, dass Allen tatsächlich live in Berlin war, für Momente konnte man sich auch als Teil eines Filmes fühlen. Nur dass keiner mehr aus der Leinwand heraustrat.