Paris

Im Kommandosaal des Flugzeugträgers, wo sonst die Piloten ihre Einsatzbefehle erhalten, verlief die Frontlinie mitten durch den Raum. Eigentlich waren die Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie und ihr britischer Kollege Geoffrey Hoon an Bord gekommen, um über Rüstungsprojekte zu sprechen.

Stattdessen gab es Sticheleien. Man glaube ja längst nicht mehr, frotzelte die Französin, dass das Beste zwischen Frankreich und England der trennende Ärmelkanal sei. Nein, parierte Hoon, die Briten kämen mit den patriotischen Franzosen längst bestens zurecht, auch wenn deren Liebe zum eigenen Land so groß sei, dass sie gleich ein gewaltiges Stück davon mitgebracht hätten.

Das gewaltige Stück Frankreich, das im Juni erstmals in britischen Gewässern vor Portsmouth ankerte, ist einen Viertelkilometer lang, 40 000 Tonnen schwer und hat 40 schwer bewaffnete Düsenjets an Deck. Trotz zahlreicher Pannen seit dem Stapellauf 2001 sind die Franzosen so stolz auf ihren atomgetriebenen Flugzeugträger Charles de Gaulle, dass sie gleich noch einen zweiten bauen wollen. Dazu planen sie eine historisch einzigartige Kooperation mit den Briten, die ebenfalls zwei neue Träger brauchen.

Aber weil die Seeleute beider Nationen seit der Schlacht von Trafalgar - die einen verloren dabei ihre napoleonische Flotte, die anderen ihren Seehelden Nelson - einander spinnefeind sind, verläuft die Kooperation bislang sehr mühsam. Erst musste Frankreich auf den nuklearen Antrieb verzichten, dann akzeptierten die Briten, die Schiffe nicht nur für ihre Senkrechtstarter, sondern auch für französische Katapultflieger auszulegen. Doch bis heute ist die Hauptfrage ungelöst, welche der notleidenden Werften auf beiden Seiten des Ärmelkanals von den Großaufträgen profitieren soll. Trotz des Gezerres konnte die Französin als Etappensieg heimbringen, dass sie die Briten wenigstens in Rufweite einer maritimen Rüstungskooperation gebracht hat.

Erste Frau an der Spitze der Streitkräfte seit Jeanne d'Arc

Mit Michèle Alliot-Marie verfügt Frankreich seit zwei Jahren über eine Überraschungsbesetzung, die sich Respekt bei Freund und Feind erarbeitet hat.