Wieder zwei Studenten auf dem Weg zum Ruhm: Kilian Schaefer aus Freiburg und Pascal von Kamp aus Stuttgart hatten es bereits beim vorletzten ZEIT- Wettkochen bis in die Schlussrunde geschafft. In diesem Jahr traten sie in Wiesbaden zum Kampf um den Lorbeer an, aber es reichte nicht ganz fürs Finale. Ich zweifle keine Sekunde daran, dass sie es erneut versuchen werden, wenn ich im nächsten Jahr (vielleicht) wiederum zu einem Kochwettbewerb aufrufe.

Sie sind jene beiden – Schaefer studiert Jura, von Kamp Maschinenbau – die ihren Hauptgang mit großer Kühnheit konzipiert hatten und ihm tollkühn die verlangte Schokolade unterjubelten. Als wäre die Kombination von Kaninchenrücken und Jakobsmuscheln nicht originell genug gewesen!

Als die beiden jungen Herren auf meine Burg kamen, hatten sie die Schokolade klugerweise zu Hause gelassen. Ihr Handgepäck enthielt dafür einen Gegenstand, den ich noch nie gesehen hatte, eine winzige Fleischpresse, wie sie in riesiger Ausführung in französischen Gourmet-Restaurants zum Entenpressen benutzt wird. Auf meine Frage nach dem Verwendungszweck der Maschine meinte Pascal: "Wer weiß. Vielleicht wollen Sie Wachteln pressen?"

Die hatten die beiden nämlich auch im Gepäck, um daraus für eine Hühnersuppe kleine Klößchen zu machen. Das redete ich ihnen aus, denn wenn man schon ein Huhn kocht, müssen die Klößchen nicht von der Wachtel sein, der Unterschied ist unerheblich. Ohnehin besteht der gastronomische Wert der Wachtel nicht in ihrem Eigengeschmack, sondern in ihrer Zartheit und in der Miniaturisierung des Geflügelprinzips.

So begann also der erste Gang zwar wie vorgesehen, indem Schaefer und von Kamp ein Huhn auskochten. Zusätzlich zum Huhn steckten sie noch einen grob zerhackten Schweinsfuß in den Topf. Was die Suppe komplettieren würde, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar.

Zunächst schlug Kilian Schaefer über dem Wasserbad fürs Dessert eine Sabayon aus 50 Gramm Zucker, 5 ganzen Eiern und 2 Eigelb, 3/4 Liter Sahne und fast 100 Gramm Earl Grey (der parfümierte chinesische Tee) und 1 Glas Rum. Als Nächstes eröffneten die beiden mir, dass sie ihren ursprünglichen Hauptgang – Kaninchen mit Jakobsmuscheln und Schokosauce – durch Taubenbrüste ersetzen würden. Ohne Muscheln und Schokolade, dafür aber, nun ja, man würde sehen. Wie angekündigt, löste Pascal von zwei schönen Bluttauben die Brüste aus und setzte ihre zerhackten Karkassen mit Stücken von Roter Beete zu einem Fond auf den Herd. Ja, Spontaneität und Kühnheit zeichnen den Kreativen aus! Und Geduld: Länger als eine halbe Stunde schlug Schaefer die Sabayon über dem Wasserbad. Denn sie wurde mehrfach durchgesiebt, damit die ausgekochten Teeblätter zurückblieben, und neuer Tee wurde untergerührt. Diesen Aufwand würde sich so leicht kein Profi-Koch leisten.

Ebenfalls nicht professionell war die Unordnung der Küche. So koche auch ich: alle Töpfe benutzt, kein Platz mehr, um noch das kleinste Glas abzustellen, Löffel, Schalen, Siebe – alles in kürzester Zeit schmutzig, alles unübersichtlich. Wer jetzt nicht improvisieren kann, der ist verloren.

Kilian Schaefer und Pascal von Kamp aber sind Meister des Improvisierens. Die Sabayon ist in Portionsformen abgefüllt und im Tiefkühler verschwunden, der Taubenfond ist reduziert und ein Hefeteig für die Nachspeise angesetzt (Babas "Grand Marnier" mit Earl-Grey-Parfait): 250 Gramm Mehl, 4 Eier und 80 g Butter. Butter kam auch noch in die inzwischen pürierten, rohen Hühnerbrüste, welche in der Hühnersuppe kleine Klößchen bilden sollten. Dafür wurde auch noch 1 Eiweiß steif geschlagen und untergehoben.