Wenn je der Zeitpunkt günstig war für einen Catholic turn in der Frauenfrage, wenn es je plausibel gewesen sein sollte, all die vom rechten Glauben an ihre biologische Bestimmung abgefallenen Emanzen ins Wochenbett zu schicken, dann jetzt. Denn erstens gibt es in Deutschland zu wenige Kinder. Und zweitens zu wenige Arbeitsplätze. Wäre es da nicht logisch, die Karrierefrauen im gebärfähigen Alter überließen den Männern die bezahlte Arbeit? Das wäre ein echter Vorschlag zur Güte. Papst Johannes Paul II. hat ihn, entgegen anders lautenden Gerüchten, jedoch nicht gemacht. Zumindest nicht so direkt.

Der Papst hat die Glaubenskongregation unter Joseph Kardinal Ratzinger lediglich beauftragt, einen Brief an die Bischöfe zu verfassen, worin er eine "gerechte Wertschätzung der Arbeit" fordert, "welche die Frau in der Familie leistet". Ungefähr das Gleiche hatte er 1981 in der Enzyklika laborem exercens auch schon geschrieben, neuerdings verbindet er sein Engagement für die Mütter aber mit der Klage, dass viele Frauen so furchtbar aggressiv seien. "Auf die Missbräuche der Macht antworten sie mit einer Strategie des Strebens nach Macht. Dieser Prozess führt zu einer Rivalität der Geschlechter." Um die friedlichen Herrschaftsverhältnisse voremanzipatorischer Zeiten (Genesis 3,16) wieder herzustellen, empfiehlt der Papst, dass sich die Frauen auf ihre "tiefgründige Intuition" besinnen, "dass das Beste des Lebens darin besteht, sich für das Wohl des anderen einzusetzen". Am Ende predigt er das Übliche: Vergebung statt Rache, Demut statt Revolte.

Um den Frauen die unzeitgemäßen Tugenden schmackhaft zu machen, würzen die Verfasser ihre Botschaft mit dem süßen Gift der Schmeichelei. Sie insinuieren, dass die Frau, anders als der Mann, die christlichen Kardinaltugenden recht eigentlich verkörpere und dass nur durch unser aller Besinnung auf "Fraulichkeit" ein Zusammenleben noch möglich sei. Warum die Frauen trotzdem von der Priesterweihe ausgeschlossen bleiben, wird nicht begründet. Das gehört zu den Selbstwidersprüchen des modernen Katholizismus, die Ratzinger mit seiner kryptodialektischen Argumentation noch verschärft. Weil er das dogmatische Weltbild der katholischen Kirche verteidigen und zugleich den Eindruck liberaler Großherzigkeit erwecken will, ist er zur Scheinheiligkeit verurteilt. Die hohe Schule der Heuchelei aber besteht hauptsächlich in der Vernebelung systemischer Zusammenhänge, und so macht Ratzinger überzeugende gesellschaftspolitische Diagnosen zur Grundlage revanchistischer Forderungen. Weibliche Priester wären ihm wahrscheinlich nur ein weiteres Symptom jener "Ichbezogenheit", die "von einem falschen Freiheitsverständnis genährt wird".

Richtige Freiheit, wie im Vatikan, kann es nur unter Männern geben. Das darf jedoch selbst der Papst heutzutage nur noch stark verklausuliert sagen. Schließlich will er sich nicht die Gunst der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands verscherzen. Der Papst ist zwar alt, aber nicht senil, und in psychologischer Kriegsführung ist er den aggressivsten Feministinnen noch immer um Jahrhunderte voraus.

Evelyn Finger