Für Harvey Johnson hat der 11. September auch seine guten Seiten gehabt. Als der amerikanische Konteradmiral im vergangenen Sommer seine neue Stelle als Chef der Küstenwache mit Sitz in Miami antrat, beschwerte er sich erst einmal über die Dienstresidenz seiner Vorgänger. "Die Bedeutung des Jobs", hieß es aus seiner Behörde, erfordere eine besser gelegene, luxuriösere Behausung, denn "die Ereignisse vom 11. September haben die öffentliche Beachtung der Küstenwache deutlich steigen lassen". Es hat funktioniert: Johnson wohnt jetzt in der exklusiven Enklave Coral Gables, mit vier Schlafzimmern und vier Badezimmern, einem Pool und einer staatlich finanzierten Jahresmiete von 111600 Dollar. "Immerhin bescheiden im Vergleich zu Drogenbaronen", spottete die Lokalzeitung Miami New Times.

Das Verhalten des Konteradmirals liegt im Trend. Während die Wirtschaftsflaute und George W. Bushs Steuersenkungen das Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten weiter wachsen lassen, bleibt der Verwaltungsbereich Homeland Security vom ansonsten verordneten Sparzwang unberührt. Als die amerikanischen Geheimdienste zum Wochenende vor Anschlägen auf amerikanische Banken warnten, war dem Ministerium für die Verteidigung des Heimatlandes (DHS) nichts zu teuer: Umgehend wurden Beton-Barrikaden vor Bankgebäuden aufgebaut, Polizisten kontrollierten am Montag die Mitarbeiter an den Büroeingängen, Straßen wurden geschlossen und Lastwagen von Brücken verbannt.

Das alles kostet Geld, ebenso wie Sicherheitskontrollen an Flughäfen, Patrouillenboote vor der Küste, Barrieren rings um Kraftwerke und eben herrschaftliche Dienstsitze für Homeland-Security-Größen. Vor ein paar Wochen bekam das DHS sein nächstes Jahresbudget von 32 Milliarden Dollar genehmigt, neun Prozent mehr als im laufenden Jahr. Rechnet man noch die Sicherheitsvorkehrungen anderer Ämter und die Ausgaben der Bundesstaaten und Gemeinden hinzu, dann kostet der Krieg gegen den Terror im kommenden Jahr zwischen 45 und 70 Milliarden Dollar. Zweieinhalbmal so viel wie vor dem 11. September, schätzt die Washingtoner Heritage Foundation.

Und trotzdem ist kaum noch etwas von den düsteren Prognosen zu hören, die manche Ökonomen gleich nach den Anschlägen verbreiteten. Die amerikanische Volkswirtschaft verwandele sich in eine "Terrorwirtschaft", hieß es, erstickt von Sicherheitskosten aller Art. Die Friedensdividende nach der Öffnung Osteuropas gehe verloren – jene Verringerung militärischer Kosten, die zum beispiellosen Aufschwung der neunziger Jahre beitrug.

Zwar kritisieren manche, die Schutzprogramme seien "zu teuer, um plausibel zu sein", wie Marvin Minsky sagt, ein prominenter Mathematiker am Massachusetts Institute of Technology. "Wir könnten tausendmal so viele Leben retten, wenn wir mit dem gleichen Geld die öffentliche Gesundheitsvorsorge förderten." Doch durchgesetzt hat sich eine andere Meinung: dass sich die amerikanische Volkswirtschaft die paar Milliarden für ein verbessertes Sicherheitsgefühl gut leisten kann. Außerdem profitieren Hunderte von Unternehmen vom Kampf gegen den Terror, während andere Branchen weniger darunter leiden als zunächst gedacht.

Die Heimatsicherheit macht, selbst pessimistisch gerechnet, höchstens ein halbes Prozent des amerikanischen Sozialproduktes aus. Auch das rasch wachsende Verteidigungsbudget der Vereinigten Staaten – das Independent Institute in Oakland veranschlagt es derzeit auf 754 Milliarden Dollar – beträgt weniger als sieben Prozent der Wirtschaftskraft und damit weniger als zur Zeit des Kalten Krieges.

Freilich wird Amerikas Krieg gegen den Terror nicht nur aus öffentlichen Kassen bestritten. Schon zwei Wochen nach den Anschlägen auf New York und Washington hatte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld treffend vorausgesagt: "Die Uniformen in diesem Konflikt werden genauso die Nadelstreifen der Bankiers und die Schlabberkleider von Programmierern sein wie die Tarnkleidung amerikanischer Soldaten." 80 Prozent der "kritischen Infrastruktur" der USA, also Häfen, Krankenhäuser, Telefonanlagen und die gerade besonders nervösen Banken, sind in privater Hand und damit von privaten Unternehmen zu schützen. Die Versicherungsrechnungen solcher Unternehmen sind in die Höhe geschnellt; sie haben ihren Werkschutz aufgestockt, mehr Personal eingestellt, mehr Überwachungskameras installiert und ihre Computersysteme besser vor Eindringlingen geschützt.