Ein Handwerker kommt. Er sagt, was es kosten soll, der Preis klingt okay. Die Arbeit ist nach einer kurzen Weile in okayer Weise verrichtet. Der Handwerker verlangt nur 20 Prozent mehr als die Summe, die er vorher angekündigt hat. Der Handwerker und ich: Wir geben einander die Hände, umarmen uns. Wir scheiden als Freunde.

Offen will ich sein – und notfalls unbequem. Ich glaube nicht, dass sich eine solche Geschichte in Deutschland jemals zugetragen hat. Man nennt solche Geschichten, wenn sie gedruckt werden, new journalism.

Im Garten war ein Gärtner. Der Gärtner sollte den Garten aufhübschen. Er verlangte 2000 Euro plus Mehrwertsteuer. Ich dachte: "Das ist eine ganze Menge Geld." Er schnitt die Hecken, trug eilig einige Schmucksteine herbei und pflanzte Grünzeug. Der Stundensatz eines Gärtners aus Berlin-Spandau beträgt 30 Euro. Ich habe es ausgerechnet: Dieser Stundensatz entspricht, bei einer 40-Stunden-Woche, einem Bruttogehalt von beinahe 10000 Mark. So was rechne ich lieber in Mark. Ich möchte niemanden beleidigen, der beruflich Hecken schneidet. Aber es ist doch, bitte sehr, eine Tatsache, dass Heckenschneiden eine leicht zu erlernende und weder geistig noch körperlich übermäßig beanspruchende Tätigkeit ist. Muss man dafür 10000 Mark im Monat bekommen? Egal. Eine Woche, nachdem ich dem Gärtner seine 2000 Euro gegeben hatte, schickte er eine Rechnung. Er fordert weitere 2000. Begründung: Das Heckenschneiden habe länger gedauert als ursprünglich angenommen, außerdem habe er ein Blumenspalier befestigt. Und zwar mit genau drei Schrauben.

Ich bin nervlich noch nie so fertig gewesen. In dieser Sache werde ich bis zum Bundesverfassungsgericht gehen. Wenn ich in dieser Sache nicht Recht bekomme, laufe ich zu dem Gärtner in seine verfluchte Gärtnerei und schnetzele ihn mit der Heckenschere in seinen Komposthaufen. Ich kann die Kolumne auch im Knast schreiben.

Ich denke immer häufiger, dass ich vielleicht durch ein Wurmloch gefallen bin und in einem Paralleluniversum lebe. Es existieren zwei Deutschlands. In dem einen wimmelt es von Arbeitslosen, Handwerker betteln um Aufträge, jeder ist froh, was zu verdienen. In dem anderen Deutschland wohnen die Handwerker in Schlössern hoch über der Stadt, einmal im Monat wirst du als Kunde empfangen, musst den Hut abziehen und mit gesenktem Kopf um eine Autoreparatur oder einen Heckenschnitt bitten. Der Handwerker sagt: "Hoho! Potzblitz! Dafür darf ich deinem Töchterlein die Unschuld rauben, und ein Sechstel deines Vermögens wird mein." Alle reparierten Sachen fallen nach 14 Tagen wieder auseinander. Wenn du dich beschwerst, sperren sie dich in einen Käfig und hängen den Käfig vorm Rathaus auf. In diesem Land lebe ich.

Witzigerweise wird bei uns die Bild- Zeitung aus dem anderen Deutschland ausgeliefert. Ich habe es gemerkt, weil Bild eine Gehaltsliste veröffentlich hat. Angeblich verdient ein Gärtner 1600 Euro brutto. Im Monat, nicht am Tag! Solche Gärtner gibt es in meinem Universum nicht.

Teil 2 der Kolumne. Über die Liebe. Geschichten mit Frauen gehen manchmal gut aus. Geschichten mit Handwerkern gehen nie gut aus.