Es ist schon gespenstisch: Kaum hat der UN-Sicherheitsrat seine Resolution zur Krise in Darfur verabschiedet, flaut das drängende Crescendo des globalen Medienorchesters ab wie auf ein unsichtbares Dirigentenzeichen. Nächstes Thema, bitte! Aber hat das Exekutivorgan der Vereinten Nationen mit dieser Erklärung zur derzeit dramatischsten humanitären Krise auf dem Globus überhaupt etwas bewirkt? Und wenn ja – ist es genug?

In seiner Resolution vom Freitag hat der Sicherheitsrat die sudanesische Regierung aufgefordert, die Dschandschawid-Milizen, die die Bevölkerung von Darfur terrorisieren, binnen 30 Tagen zu entwaffnen. Ignoriert Khartum das Ultimatum, droht die Resolution mit "weiteren Maßnahmen" nach Artikel 41 der UN-Charta, was so viel heißt wie Sanktionen (wenn auch die Verwendung dieser Vokabel an Moskau und Peking scheiterte, die sonst ihr Veto eingelegt hätten, statt sich bloß der Stimme zu enthalten).

Immerhin wurde so das gelähmte Schweigen der Weltorganisation endlich gebrochen. Freudig überrascht waren die Hilfsorganisationen, dass Deutschland energisch die Führung übernahm, als es darum ging, die widerstrebenden EU-Staaten auf eine Linie zu bringen. Bisweilen wird nämlich über die Bundesrepublik geklagt, man müsse in Menschenrechtsfragen oft die Franzosen bitten, beim Nachbarn Druck zu machen. Diesmal aber war’s anders: "Berlin", sagt Lotte Leicht, die Brüsseler Direktorin von Human Rights Watch, "hat bei der Mobilisierung der wichtigsten Staaten die Schlüsselrolle gespielt." Und im Auswärtigen Amt wird befriedigt registriert, dass die von Vorhaltungen aus dem Ausland bisher ungerührte sudanesische Regierung nun ziemlich nervös reagiert.

Sanktionen, sagen Helfer und Diplomaten überdies, müssen keineswegs mehr ein stumpfes Schwert sein, das allein die Zivilbevölkerung trifft. Entscheidend sei zweierlei: dass sie präzise auf die Mächtigen zugeschnitten seien (Waffenembargos, Reisebeschränkungen, Kontensperrungen) und weltweit gälten (die USA und die EU haben längst eigene Sanktionen verhängt, aber das hilft wenig, wenn Russland MiGs liefert und China Kleinwaffen).

Das perverse Paradox der Machtrealität im Sicherheitrat

Allein, da endet auch schon die Habenseite der Bilanz. Echte Sanktionen, sofort, statt einer bloßen Drohung mit 30 Tagen Vorlauf – das wollten sowohl Washington als auch die Europäer. Aber dann wäre die Resolution erst recht am Veto der Russen und Chinesen gescheitert; auch die islamischen Sicherheitsratsmitglieder Pakistan und Algerien waren dagegen. Der Sicherheitsrat, sagen Helfer bitter, war also nicht imstande, mehr zu tun, als erneut das vom Sudan einzufordern, was dieser schon im letzten Waffenstillstand von Anfang April versprochen – und nicht gehalten hat.

Das ist das perverse Paradox der Machtrealitäten im Exekutivrat der Vereinten Nationen: Es ist leichter, ohne Plazet der UN eine Koalition der Willigen zu organisieren, um ethnische Säuberungen militärisch zu beenden (Beispiel Kosovo-Krieg), als Einigkeit über gezielte Sanktionen herzustellen, die ja gerade den Einsatz von Waffengewalt überflüssig machen sollen.

Indes: Wurde alles getan, um die Widerwilligen zum Einlenken zu bewegen, wurden alle Mittel ausgereizt? Mag sein, dass Joschka Fischers Klartext zur Lage der Menschenrechte in China auf seiner jüngsten Asienreise für ein Cheftelefonat nicht die beste Grundlage war. Aber die special relationship zwischen Bundeskanzler Schröder und Russlands Lenker Putin müsste doch für ein Gespräch unter Staatsmännern… Nein, sagt ein Regierungssprecher in Berlin, solche Gespräche habe es nicht gegeben, weder mit Peking noch mit Moskau.