In der Popmusik wiederholen sich Songs und Sounds, die nicht mit Trauer, Ironie, Häme oder Naivität zu hören sind, sondern mit reiner Freude. Den alten Prince-Song Joy in Repetition singt diese Frau mit tiefdunkler Stimme, und sie bringt ihn mit einer Selbstverständlichkeit, die sprachlos macht.

Einfach schön, neu-alt, alt-neu. Man könnte sich den Kopf darüber zerbrechen, warum die revolutionäre Rockmusik zum systemfreundlichen Genre mutiert ist, das in all der Orientierungslosigkeit den Generationen musikalischen Halt gibt - Those Were The Days. Man darf sich aber auch gewissenlos zurücklehnen und einer der berückendsten Stimmen zuhören, die nun verspätet über uns gekommen ist: Dayna Kurtz, geboren in New Jersey, wohnhaft in Brooklyn.

Das künstliche analoge Schallplattenknistern am Anfang von Music Box wäre nicht notwendig gewesen, um das Thema klar zu stellen: Sitting in the same room / Over and over / Listen to the same songs / Over again. Sie hat die Rauheit eines Tom Waits (ohne kratzig zu werden), das Schwelgen von Leonard Cohen (ohne darin zu versinken), die Melancholie von Marianne Faithfull (ohne sich selbst zu streicheln) - das heißt, es sind verzweifelt ruhige Lieder, die man liebt, wenn jemand gegangen ist. Von Cohens Hymne Everybody Knows ziehen sich die Gefühle über Mal Waldrons Jazz-Ballade Left Alone und das herzbrechende Amsterdam Crown bis zu - wahrlich - Parlez-moi d'amour. Sie besitzt das Französisch-Resignative, das sich so angenehm auflöst. Und diese Mischung erinnert an jenen Klang, der Dayna Kurtz als Halbschwester ausweist - der schwarzen Seele von Nina Simone.

Beautiful Yesterday ist das dritte Album einer Sängerin, die durch die Clubs zieht (Otherwise Lucious Life), 1997 als neuer Female-Songwriter-Star gepriesen und doch fünf Jahre warten musste, bis sie ins Studio gehen konnte, um 2002 ihre Platte Postcards From Downtown aufzunehmen. Es waren vorwiegend eigene Kompositionen, die auch jetzt zur emotionalen Basis zählen: Love Where Did You Go oder das schräg zwiespältige Beautiful Yesterday. Diesmal sind es die Cover-Versionen, die eine Ahnung von der wahren Bestimmung der Musik vermitteln: Über die alten Lieder eine Logik des Gefühls zu suchen, um der eigenen Biografie die Illusion von Kontinuität zu verleihen (Munich Records MRCD 254).

Das Duett mit Norah Jonas über Duke Ellingtons I Got It Bad (And That Ain't Good) ist übrigens das schwächste Stück des Albums. Das spricht für Dayna Kurtz.