Auf dem Höhepunkt der Industriellen Revolution, 1863, wurde in Höchst am Main die Teerfarbenfabrik Meister, Lucius & Co gegründet. Abfallprodukte aus Kokereien lieferten die Rohstoffe, in der boomenden Textilindustrie gab es Abnehmer für die Farben aus Höchst. Bald war das Unternehmen profitabel und dehnte seine Geschäfte auf Arzneien aus. Mit dem Grippemittel Antipyrin gelang ein erster Erfolg. Aus der Zusammenarbeit mit Nobelpreisträgern wie Paul Ehrlich ging das Syphilis-Medikament Salvarsan hervor, das festigte später den Ruf als Arzneihersteller.

Der Erste Weltkrieg setzte dem Wachstum in Höchst und den anderen deutschen Chemiestandorten ein plötzliches Ende: Die Mitarbeiter marschierten in die Schützengräben, dafür hielt die Kriegsproduktion Einzug in die Werkshallen, internationale Patente wurden enteignet. Bayer, BASF, Hoechst und die anderen Großen der Branche rückten zusammen. 1925 gründeten sie das Industriekartell IG Farben, das später durch seine Verstrickungen mit dem Naziregime unrühmliche Geschichte machte. Das Kartell beschäftigte nicht nur Tausende Zwangsarbeiter, sondern stellte auch das Giftgas Zyklon B her, das in den Konzentrationslagern verwendet wurde.

Nach dem Krieg beschlossen die Alliierten die Entflechtung der IG Farben. Das Werk Höchst stand unter amerikanischer Verwaltung und wurde 1951 als Farbwerke Hoechst AG neu gegründet. Das Unternehmen profitierte zunächst vom Wiederaufbau und später von der Wiedervereinigung und wuchs zu einem Konzern, der rund um den Globus Arzneien, Industrie- und Landwirtschaftschemikalien, Kunststoffe und Kosmetika verkaufte. 1983 avancierte Hoechst zum größten Pharmakonzern der Welt.

1993 kam es im Werk Griesheim zu einem Störfall, bei dem am Rosenmontag gut zehn Tonnen Chemikalien auf die Nachbarschaft niedergingen. Weitere Betriebsstörungen folgten, und Hoechst geriet wegen seiner zögernden Informationspolitik in die Kritik. Auch das Wachstum des Unternehmens ließ nach. 1994 trat Jürgen Dormann als neuer Chef an und baute den kompletten Konzern um. Sein Motto: Entrosten und Entfrosten. Er verkaufte die Kosmetik, spaltete die Chemieaktivitäten ab, versuchte das Kerngeschäft durch Übernahmen und Joint Ventures zu stärken.

Als das nichts half, suchte er einen Fusionspartner für das verbliebene Arznei- und Agrogeschäft. Aus dem Zusammenschluss mit dem Rivalen Rh'ne-Poulenc entstand 1999 das Life Science Unternehmen Aventis mit Sitz in Straßburg. Wegen des Widerstandes der Verbraucher gegen genmanipulierten Mais und andere Produkte der Landwirtschaftssparte wurde diese bald verkauft.

Doch auch als reiner Pharmahersteller hatte Aventis wenig Glück: Der Pillen-Nachschub stockte, der Aktienkurs sank. Im Januar 2004 rüstete sich der französische Konkurrent Sanofi zur Übernahme. Wochenlang wehrten sich die Mitarbeiter, schließlich handelte das Management von Aventis einen besseren Kaufpreis aus. Spätestens am 12. August soll bekannt gegeben werden, wie die Aventis-Anteilseigner über dieses Angebot entschieden haben. Die Großaktionäre, sogar die zunächst zögernde Kuweit Petroleum Corporation, allerdings haben bereits zugestimmt. Damit ist die Entscheidung schon fast gefallen.