Kartoffeln können glücklich machen. Sehr glücklich sogar. Tage Madsen steht in seiner niedrigen Lagerhalle und wird von Schwalben umschwärmt, als wäre er kein Mensch. Tage Madsen ist sehr glücklich. Wenn es um Kartoffeln geht. Und wenn dieser kleine Kerl von einem Mann erzählt, dann geht es immer um Kartoffeln. Denn Samsø, seine Insel, ist das Kartoffelparadies Dänemarks, und Tage Madsen ist der Kartoffelkönig.

Weil Samsø mitten im Kattegat liegt, umgeben von Wasser, das wie ein Puffer wirkt, kennt die Insel beinahe keinen Frost. Gut für die Kartoffeln. Mitte April kommen die kleinen Gelben, die sie auf Samsø die "Neuen" nennen. Ihre Haut ist hauchdünn, und sie schmecken so süß, dass ganz Dänemark sie jedes Jahr sehnsüchtig erwartet. Im Sommer dann, wenn sich der erste Kartoffelrausch längst gelegt hat, gehen von Samsø die so genannten Bananen- und Spargelkartoffeln ins Land. Feste, längliche Knollen mit rauer Schale. Gute Kartoffeln, sehr gute sogar, aber ganz anders die "Neuen". Denn die sind viel mehr als nur Kartoffeln: Sie sind Frühlingsboten. Auch deshalb wird die erste Ernte gefeiert, als brächte sie pures Gold.

Und ein bisschen ist es auch so. Der Bauer, der die ersten Kartoffeln erntet, verdient sich ein goldenes Näschen. Das Kilo "Neuer" geht für 1000 Kronen weg, 150 Euro. "Die Leute sind verrückt danach", sagt Madsen. Aber so verrückt nun auch wieder nicht, dass sie nicht wüssten, was sie täten. Wer die ersten "Neuen" kauft, der kommt ins Fernsehen. Erst danach sinken die Preise.

Tage Madsen lässt die Knollen in seinen Händen von links nach rechts rollen. Mit seinem blauen Overall, der blauen Mütze und dem grauen Bart sieht der Bauer aus wie ein unter die Landratten gefallener Seebär. Die Pfeife qualmt, zu seinen Füßen spielt die Schäferhündin Bella.

Seit 20 Jahren ist Madsen immer der Erste, wenn es ans Ernten der "Neuen" geht. Eine Berühmtheit. Wie er das macht? Ein schiefes Grinsen, ein Zug aus der Pfeife, die durch seinen Mund wedelt: "Wollen Sie nicht noch etwas über Zwiebeln wissen? Habe ich auch. Großartig, kann ich Ihnen sagen. Probieren Sie mal."

"Wir haben alles. Uns fehlt nichts"

Man muss schon ein bisschen ein Schlitzohr sein, um von sich reden zu machen. Auf Samsø schaffen das nicht nur die Kartoffelbauern. Die Insel ist unter den 400 dänischen Inseln auch deshalb eine besondere, weil sie die erste Insel der Welt werden soll, die sich komplett mit selbst erzeugter, erneuerbarer Energie versorgt. 1997 rief die dänische Regierung das Modellprojekt Samsø aus, Millionen wurden in High Tech investiert. Heute schon bekommen 75 Prozent aller Haushalte auf Samsø Fernwärme, die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. Bald sollen es 100 Prozent sein. Die Experten kommen von überall her, um zu sehen, was da vor sich geht.

In zehn Jahren ist es so weit, sagt Søren Hermannsen, der Mann, der das Experiment betreut. Er hat die Welt bereist in Sachen Energie. Heute lebt er mit seiner finnischen Frau und seinen beiden Kindern in einem ehemaligen Bauernhaus im Süden von Samsø. Der Blick aus seinen Fenstern in Richtung Westen geht über einen kleinen Garten aufs Meer hinaus, im Osten liegen Felder voller nachwachsender Rohstoffe.