Die Juniorprofessur ist gerichtlich gestoppt. Geht der Trend also zurück zur Habilitation? Hoffentlich nicht. Eine Lebenszeitprofessur sollen doch gerade die Besten erhalten – und um die zu finden, kann die Habilitation genauso wenig als Königsweg gelten wie die Juniorprofessur. Bisher kann Professor auf Lebenszeit nur werden, wer außer der Dissertation zusätzliche wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen hat, im Allgemeinen die Habilitation. Auch die Bildungsministerin forderte zusätzliche Leistungen; allerdings im Rahmen einer Juniorprofessur. Beide Einschränkungen sind unbegründet.

Die Habilitation – ein deutscher Sonderweg – ist heute nicht mehr gerechtfertigt. Erstens gibt es keinen Grund, warum die abgebende und nicht die aufnehmende Institution entscheiden soll, wer dort eine Professur erhält. Zweitens wird mit der Habilitation eine Hürde aufgebaut, die zu nehmen häufig zu viel Zeit kostet. Aus der Philosophie kenne ich viele Fälle, in denen gute Nachwuchswissenschaftler lange Jahre damit verbracht haben, sich über diese Hürde zu quälen; etliche sind an ihr gescheitert. Und viele Habilitationsschriften wurden nie veröffentlicht. Die These, ohne Habilitation würden wichtige Forschungsleistungen nicht erbracht, geht also in die Irre. Wichtig ist, dass gute Bücher und Aufsätze geschrieben werden. Aber dies kann, wie das Ausland zeigt, auch ohne den Druck der Habilitation erreicht werden.

Also doch die Juniorprofessur als Alternative? Nein. Trotz der guten Absicht, den Status der früheren wissenschaftlichen Assistenten so zu verbessern, dass sie früher selbstständig forschen und lehren – grundsätzlich falsch ist, dass die Juniorprofessur der einzige Weg zu einer Lebenszeitprofessur sein soll. Was ist, wenn ein Juniorprofessor die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt? Und was ist mit denen, die auf Mitarbeiter- und Drittmittelstellen herausragende Leistungen erbringen? Wenn diesen Nachwuchskräften die weitere Karriere an der Universität generell verwehrt wird, wird man sie sehr schnell ganz verlieren.

Der richtige Weg wäre, von jedem, der eine Lebenszeitprofessur anstrebt, nach der Dissertation zusätzliche wissenschaftliche Leistungen zu erwarten – unabhängig davon, wie sie erbracht wurden. Und entscheiden darüber soll die aufnehmende Institution – niemand sonst. Dass diese Entscheidung so früh wie möglich fällt, kann man nicht erzwingen, nur befördern, indem man die Rahmenbedingungen dafür verbessert, dass Dissertationen zügig geschrieben und weitere wissenschaftliche Leistungen schnell und effektiv erbracht werden. Selbstständigkeit, keine zu große Belastung mit Fremdaufgaben und keine künstlichen Barrieren – das würde wissenschaftliche Karrieren am meisten beschleunigen. Ansgar Beckermann

Der Autor ist Professor für Philosophie an der Universität Bielefeld