Von Los Angeles nach Amsterdam fliegt man lange zehn Stunden, doch Evan Horne, Jazzpianist und Detektiv wider Willen, wird den Schatten des Trompeters Chet Baker nicht los. Noch immer ranken sich Gerüchte um den Tod des Junkies und genialen Melodikers, der 1988 in Amsterdam aus dem Hotelfenster stürzte. Mit schönstem Sachverstand schreibt der amerikanische Autor Bill Moody - selbst Jazzmusiker - über Musik, literarisch schwächelt die Krimi-Komposition. Da im Falle Chet Bakers die Realität ohnehin jede Fiction überholt, sollte man wieder zu Geoff Dyers Faction-Prosa in But Beautiful greifen (Argon). Wer sich jedoch für die wunderbare Welt des Melancholischen erwärmen kann, wird bei Bill Moody eine Menge Atmosphäre finden.

Bill Moody: Auf der Suche nach Chet Baker

A. d. Engl. v. Anke C. Burger - Unionsverlag, Zürich 2004 - 270 S., 19,90 e

BELLETRISTIK Zwischen Hamburg und Oldenburg liegen nur zwei Stunden, und doch reicht es für das 19-jährige Mädchen Val, um verloren zu gehen. Zu viel Dope, die falschen Relaisschaltungen im Kopf, die Psychosen lassen sich nur mit Medikamenten dämpfen. Tödlich wird es erst, als die Schnellen auftauchen und zwei ihrer Freunde ermorden. Zoran Dvrenkar, hoch gelobter Autor von Jugendromanen aus den Zwischenmilieus der Großstädte, überschreitet in seinem Psychokrimi die Grenzen und verunsichert. Was geschieht real? Was nur im Kopf? Wer ist hier, und wo ist dort? Es ist eines jener Bücher, die wieder beginnen, wenn sie aufhören. Um die Zeichen an der Wand zu verstehen.

Zoran Dvrenkar: Du bist zu schnell

Klett-Cotta, Stuttgart 2003 - 288 S., 19,- e