Deibert ließ auf den Computern seines Instituts zum Beispiel ein System installieren, das dem berüchtigten Carnivore-System des FBI angeblich sehr ähnlich ist: "Wir testen es, und wir schauen uns natürlich auch Instrumente an, es zu umgehen. Es ist sehr schwierig, Überwacher auf diesem technischen Wege wirklich aufzuspüren", gibt Deibert zu, "viel schwieriger als das Dokumentieren von Zensur in China."

Doch Deibert und seine Studenten versuchen es zumindest, schon aus Gründen des politischen Engagements und um dem Trend zum wachsenden Überwachungsstaat einfach etwas entgegenzusetzen. Es war der Physiker und Science-Fiction-Autor David Brin, der 1998 in seinem Essay The Transparent Society ("Die gläserne Gesellschaft") zum Gegenspähen aufrief. "Die Kameras kommen", sagte er fatalistisch voraus, doch das allein sei nicht schlimm. Solange nicht ein totalitärer Staat mit anonymen Wächtern die Kameras in der Hand habe, sondern jeder Bürger zurückspähen und durch die gleichen Linsen schauen dürfe. "Die grundlegende Frage, wer die Kameras kontrolliert, wird über Souveränität und Freiheit entscheiden", fand Brin.

Professor Deibert gehörte vor ein paar Jahren zu den Ersten, die zum "Welt-Unterwachungstag" aufgerufen hatten: Menschen in aller Welt sollten Sicherheitskameras fotografieren und ins Internet stellen. Das Citizen Lab mit seinen freiheitsliebenden Hackern ist der nächste Schritt, die Version für das Internet-Zeitalter. "Wir bauen hier ein Netzwerk zum Überwachen der Überwacher", sagt Deibert, der wohl militanteste Streiter gegen Big Brother.

Während andere auf zivilen Ungehorsam setzen, wie jener Millionär aus San Francisco oder wie Bill Brown, der die Obrigkeit mit seinen trotzigen Stadtführungen in New York provoziert, versucht Ronald Deibert, den Feind mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen.