Mit dem Start der Fußballbundesliga am vergangenen Wochenende geht ein großer Feldversuch ins zweite Jahr: Das Unternehmen T-Online bietet seinen Abonnenten die Spielberichte an. Bewegte Bilder im Internet. Lässt sich damit Geld verdienen? Können sie Millionen Kunden dazu animieren, einen schnellen Internet-Zugang zu mieten?

Im Fernsehen gehört die Liga zu den begehrtesten Programmen überhaupt, alle Sender zusammen zahlen fast 300 Millionen Euro pro Saison, und allein die ARD -Sportschau zieht durchschnittlich sechs Millionen Zuschauer an. Im Internet ist davon nichts zu sehen: T-Online konnte in der vergangenen Saison gerade einmal 11000 Kunden für seinen Sportinsider gewinnen, der 3,95 Euro kostet. Doch Burkhard Graßmann, der für Medien zuständige Vorstand von T-Online, bleibt optimistisch: "Breitbandnutzer geben mehr Geld für Bezahlinhalte aus. Die Anzahl der Abonnenten wird sich mit dem Start der Bundesliga 2004 bestimmt deutlich vergrößern."

Wie wichtig T-Online die schleppende Entwicklung nimmt, ist in einer Studie nachzulesen, die unter Leitung von Graßmann erschienen ist: Darin appelliert er geradezu an potenzielle Konkurrenten. Es sei absehbar, dass "die Entwicklung des Breitband-Marktes vor allem davon abhängt, wie Anbieter aus Entertainment-Medien die neue Technologie einsetzen". Im Klartext heißt das: Legen die Pioniere nicht endlich los, stockt das erhoffte Milliardengeschäft mit schnellen Internet-Zugängen und multimedialen Inhalten.

Immerhin rund fünf Millionen schnelle DSL-Anschlüsse wird es dem Marktforschungsunternehmen Prognos zufolge am Ende des Jahres geben. Es sind vor allem jene Nutzer, die ohnehin viel im Internet surfen, dazu Freiberufler, Unternehmen und Verwaltungen, die Geschwindigkeit schätzen, wenn sie große Dokumente verschicken und viele Internet-Seiten laden. Dafür zahlen sie je nach Tarif einige Dutzend Euro im Monat. Aber was wird die Mehrheit der etwa 35 Millionen Privathaushalte locken? Fragt man Surfer, was für Unterhaltungsangebote sie interessiert, ist die Reihenfolge eindeutig: erstens Musik und zweitens Videos, worunter allgemein bewegte Bilder zu verstehen sind. Doch während das Angebot von Musik inzwischen üppig vorhanden ist, bleibt die Auswahl an Bewegtbildern dürftig. Dabei würden sie das perfekte Verkaufsargument für Breitbandanschlüsse liefern, weil Filme aus riesigen Datenpaketen bestehen, die einige hundert- oder sogar tausendmal größer sind als Musikdateien.

Die meisten bewegten Bilder produzieren hierzulande die TV-Sender, von RTL bis ZDF. Sie haben die meiste Erfahrung mit Filmen, Serien und Unterhaltungsformaten, und insofern klagt T-Online-Mann Graßmann indirekt über deren Passivität, wenn er von Angebotsmangel spricht. Mit den Hollywood-Studios ist er da schon besser im Geschäft. T-Online und andere Internet-Anbieter haben digitale Videotheken aufgebaut, aus denen ihre Kunden einige hundert Filmen herunterladen können. Die TV-Manager hingegen zögern.

Denn auf normale Fernsehbilder haben Surfer im Internet keine große Lust. Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge schauen derzeit nur 15 Prozent bewegte Bilder im Internet an. Unter den 14- bis 19-Jährigen sind es immerhin mehr als 30 Prozent, wobei die Zurückhaltung eben auch an den Vorlieben der Surfer liegen dürfte. Die lauten Musikvideos, Comedy- und Juxvideos sowie Werbung für Kinofilme (siehe Grafik). Länger als fünf Minuten darf kein Clip dauern, sonst schaltet die Mehrheit ab.

Noch am besten bedient der TV-Sender ProSieben dieses Interesse, indem er Ausschnitte aus der Show TV total mit Stefan Raab wiederholt (Pulleralarm, Raabs Tierwelt). Einige tausend Internet-Zuschauer findet auch Comedy-Star Michael "Bully" Herbig mit der Bullyparade. Während im Kino sein Film (T)Raumschiff Surprise läuft, können Fans im Internet ein paar alte Sketche sehen. Unter anderem gibt es die Winnetou-Parodie Abahachi & Ranger, dazu den Yeti am Mittag und Sissi. Weil die Zugriffe aber sofort drastisch sinken, sobald ein Beitrag etwas kostet, mag kein TV-Manager mehr wagen als den einen oder anderen Test für eine ferne Zukunft.

Jenseits der Frage, was die Zuschauer wollen, kommen große Teile des Programms auch deshalb nicht in Betracht, weil die Sender kein Übertragungsrecht im Internet besitzen. Besonders ausgeprägt gilt das für kleine Sender wie das Deutsche Sportfernsehen (DSF), dessen Internet-Tochter stattdessen Beiträge wie Ballacks Weg zum Ruhm oder Beckham privat ins Netz stellt. Relativ gut würden auch Interviews laufen, sagt Jörg Krause vom DSF. "So etwas wie ›Best of Hoeneß‹", wenn der Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, wieder einen Temperamentsausbruch gehabt habe.