Noch nie haben die Deutschen so viel Gelder aus Aktienfonds entnommen wie im ersten Halbjahr, rund 1,5 Milliarden Euro. Der bisherige Höchstwert liegt schon fast 20 Jahre zurück. Damals, 1985, wurden in den ersten sechs Monaten 470 Millionen Euro abgezogen, hat der Branchenverband BVI ermittelt. Nicht viel, aus heutiger Sicht.

Und haben sie nicht Recht, die vorsichtigen Bundesbürger? Zu Wochenbeginn erst wieder ein neues Jahrestief im Dax, der Kurs unter 3700 Zählern. Fast zehn Prozent Verlust seit Jahresbeginn.Wer seit zehn Jahren diszipliniert Monat für Monat sein Geld in deutschen Aktien angelegt hat, bringt es auf eine Rendite von gerade mal 1,2 Prozent. Auch die Aussichten sind schlecht.

Der Ölpreis steigt und gefährdet das weltweite Wirtschaftswachstum. Die Terrorangst verdirbt die Stimmung. Und zu allem Überfluss hat die amerikanische Notenbank begonnen, die Zinsen zu erhöhen.

Warum also deutsche Aktien kaufen?

Weil sie günstig sind. Weil die Unternehmen gut verdienen. Und weil es immer klug ist, dann zu kaufen, wenn alle anderen sich mit Grauen abwenden. Anhand traditioneller Bewertungskennziffern ist der Dax klar unterbewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das den Aktienkurs ins Verhältnis zu den erwarteten Unternehmensgewinnen setzt, liegt zwischen 10 und 12. Normal sind Werte zwischen 15 und 17, Ende der neunziger Jahre berappten die Anleger zeitweise mehr als das 25fache des jeweiligen Jahresgewinns. Allein die Dividendenrendite im Dax ist mit knapp 3 Prozent attraktiv angesichts mickriger Sparbuchzinsen.

Doch das wichtigste Argument für deutsche Aktien ist die eklatante Schwäche der hiesigen Gewerkschaften. Lohnsenkungen bei den Vorzeigeunternehmen der Deutschland AG, bei Siemens und Daimler. Die klaglose Rückkehr zur 40-Stunden-Woche - ohne Lohnausgleich, versteht sich. Die Konzessionen der Arbeitnehmer werden die Gewinne der deutschen Unternehmen kräftig erhöhen.

Selbst ein Ölpreis von 50 Dollar je Fass wird daran nichts ändern.