Ein verblichener Pfennig ruht einsam und unscheinbar in seiner Glasvitrine. Das Jahr der Prägung lässt sich eben noch erahnen: 1943. Wem mag er Glück versprochen haben? Lagerleiter oder Insassen des Konzentrationslagers Buchenwald? Denn dort, auf einem Maulwurfshügel, hat ihn der Künstler Andreas Slominski angeblich gefunden. Die Münze ist das kleinste Exponat in der Ausstellung After Images im Neuen Museum Weserburg in Bremen (bis 2.

Oktober). Unter dem Titel Kunst als soziales Gedächtnis spielen zwanzig Künstler mit unseren Vorstellungen vom Nationalsozialismus. Nazi Milk etwa zeigt, wie aus einem Milch- ein Hitlerschnurrbart wird, die Serie Reine Wäsche macht aus Frauen der sechziger Jahre BDM-Mädchen. Rudolf Herz entdeckte von Besuchern der Gedenkstätte Dachau zerkratzte Hitlerbildnisse, und Piotr Uklanski collagiert Schauspieler, die Nazis gespielt haben. Die Grenze zwischen Abgebildetem und Abbild verschwimmt für den Betrachter. In der Parade der Erinnerung kämen vorwiegend Künstler der Enkelgeneration zu Wort, die sich quasi aus zweiter Hand erinnern, sagt der Kurator Peter Weise. Besonders eindrucksvoll gelingt dies den britischen Chapman-Brüdern, die für ihre grausam pervertierten, spielzeugartigen Figuren bekannt sind: Kleine Hitler salutieren neben aufeinander gefahrenen Pkw, die zusammen ein Hakenkreuz ergeben. Zur Lächerlichkeit erstarrte Geste neben bagatellisierter Geschichte. Am Ende bleibt ein Anflug von Schleudertrauma - gerade weil die Unmenschlichkeit des Dritten Reichs in After Images Leerstelle ist.