Fliegen könnte so sicher sein, wären da nicht die Passagiere. Die nämlich wollen von all den Bestimmungen, die zu ihrem Schutz ersonnen wurden, wenig wissen. "Jedermann reist mit Gefahrgut in den Urlaub", mahnt die Dekra. Als TÜV-Alternative für die Pkw-Inspektion groß geworden, berät der Verein inzwischen Unternehmen aller Art in Sicherheitsfragen. Auch Flughäfen und Airlines. Und Uli Wenz, Gefahrgutsachverständiger der Dekra, hat da schon so einiges erlebt: "Allein mit dem Pfefferspray, das den Passagieren bei der Handgepäckkontrolle abgenommen wird, könnte man ganze Supermärkte füllen."

Ein Dorn im Auge sind Wenz auch die Abenteuerurlauber, die oft Gaskartuschen und anderes Explosivmaterial dabei haben. Immerhin hat sich inzwischen herumgesprochen, dass es verboten ist, Waffen mitzuführen. Auch Nagelfeilen, Scheren und Streichmesser bleiben häufiger daheim. Doch auch ohne alles, das schießt, sticht oder schneidet, schleppt der Passagier Gefahren an Bord, wie die Dekra ausführt: "Quecksilberthermometer, Lithiumbatterien, Spraydosen, Sonnenbalsam oder die Taucherausrüstung – wer weiß schon, dass er mit solch gewöhnlichen Gegenständen Gefahrgut transportiert?"

Uli Wenz weiß es. So enthalten Lithiumbatterien, wie sie in Fotoapparaten und Videokameras stecken, hohe Energieladungen: "Wenn sich ein Gerät durch Flugbewegungen einschaltet und dazu vielleicht noch in anderes Material eingepackt ist, läuft es sehr schnell heiß und kann explodieren." Wenz erinnert sich an einen Fall, in dem ein Camcorder samt Videoleuchte im Koffer startete und Kleidung in Brand setzte: "Manches, was im Passagierbereich unproblematisch ist, kann während des Fluges im unzugänglichen Frachtraum sehr gefährlich werden." Deswegen rät er: "Batterien und Akkus für Laptops und Camcorder getrennt von den Geräten transportieren, und zwar im Handgepäck." Auch Taucherlampen und Thermometer sind nur im Handgepäck erlaubt, Streichhölzer und Feuerzeuge dürfen weder ins Handgepäck noch in den Koffer, sondern nur am Körper transportiert werden. Das Feuerzeug könnte auslaufen und eine Explosion verursachen. Zwei Streichholzbriefchen, die aneinander reiben, könnten sich entzünden.

Will uns der Dekra-Mann bloß Angst einjagen? Überall am Flughafen befinden sich ja schon Informationstafeln, die aufzählen, was nicht ins Handgepäck oder in den Frachtraum darf: Explosivstoffe, entzündliche Stoffe, Gifte, ätzende Stoffe, oxidierendes oder radioaktives Material, Gase, Druckbehälter. Damit sind auch für Wenz die unmittelbaren Gefahren gebannt. Doch in seinem Geschäft will man mehr: "Eine optimierte Vorsorge, die auch das kleinste Risiko ausschließt." Darum haben die Dekra-Experten selbst Erfrischungstücher in ihr "Gefahrgut-ABC" aufgenommen. Durch den darin enthaltenen Alkohol können sie nämlich als Brandbeschleuniger wirken.

So genau wollen es bislang auch die Verantwortlichen nicht nehmen. Bei den Durchleuchtungskontrollen wird in erster Linie nach Gegenständen geschaut, die als Waffe eingesetzt werden könnten. Die von der International Air Transport Association (IATA) als Gefahrgüter eingestuften Dinge werden mehr oder weniger zufällig entdeckt. "Wie wollen Sie es auch handhaben, wenn alles hundertprozentig geprüft werden soll?", fragt Lufthansa-Sprecher Bernd Hoffmann. Dann könne man nicht einmal den Akku im Rasierer lassen, "denn wenn einer von denen im Koffer anfängt zu rappeln, gehen wir dem Geräusch natürlich nach und müssen den Frachtraum durchsuchen". Bei der IATA weiß man von der Schwierigkeit, die Bestimmungen umzusetzen. Handlungsbedarf sieht man nicht. Dabei heißt es auch hier, dass ein Feuer durch eine explodierende Lithiumbatterie "theoretisch möglich" sei.

"Fragen Sie im Zweifel lieber einmal mehr beim Bodenpersonal nach", beharrt Uli Wenz. "Im eigenen Interesse." Die passende Geschichte dazu hat er auf Lager: Ein Schmetterlingssammler hatte eine Ätherflasche mit an Bord genommen; die brauchte er, um Schmetterlinge äußerlich unversehrt ins Jenseits zu befördern. Doch unter den wechselhaften Druckverhältnissen während des Flugs öffnete sich die Flasche und benebelte die Besatzung. Das Flugzeug musste vorzeitig landen und komplett gereinigt werden. Die Crew wurde ausgetauscht. "Und nun raten Sie mal", sagt Uli Wenz, "wer das bezahlen durfte."