Schalt's Hirn ab! Will ich doch, tu ich doch. Also noch einmal ganz tief Luft holen und sie langsam wieder rauslassen. Kein Problem, wenn ich dabei nicht einen klaren, tiefen, langen Ton produzieren sollte. Ich pruste, pfeife, quietsche, hole noch einmal Luft, pumpe die Backen auf, atme mit voller Kraft in das kleine Mundstück, doch knapp vier Meter weiter unten kommt nichts raus. Nach guten fünf Minuten endlich ein kurzes, mickriges, hysterisches Tröten. Erschöpft halte ich inne, bin erschrocken und stolz zugleich. Mein erster winziger Hopser auf einem langen Weg: Ich versuche, das Alphornblasen zu lernen.

Elisabeth Heilmann-Reimche beherrscht das Alphornblasen seit elf Jahren.

Vorher hat sie schon jahrelang Trompete gespielt. Professionell, als ausgebildete Musikerin im Symphonieorchester. Sie formt warme, weiche, tiefe Töne und helle, klare wie einen Fanfarenstoß, sie zaubert Melodien, scheinbar ohne Luft zu holen. Das Alphorn ist Elisabeth Heilmann-Reimches Leidenschaft, und als sie merkte, wie sehr es auch andere fasziniert, kam ihr die Idee, Touristen ans lange Rohr zu lassen. Deshalb bietet sie nun Alphornkurse an - zum Pauschalpreis mit individuell zugeschnittenem Rahmenprogramm. Ihr Wohnort eignet sich dazu trefflich. Sie unterrichtet in Garmisch-Partenkirchen, in einer Landschaft so imposant wie das Alphorn. Vom Balkon des Zimmers, das sie nicht nur an Schüler vermietet, geht der Blick direkt auf die Dreitorspitze.

Beim nächsten Versuch umklammere ich schon wieder das Horn so fest, als müsste ich die Töne herausdrücken. Verkrampf di doch net so, mei, mach's doch nicht so kompliziert, sagt Elisabeth, steh gerade, streck den Bauch raus. Wegen der Atmung. Und jetzt blasen, blas doch. Deine Lippen müssen vibrieren. Furz mit den Lippen. Nicht summen, furzen! Das fällt mir schon ohne Horn schwer. Mit aller Kraft presse ich wieder die Luft ins Mundstück - ein hoher, gottserbärmlicher Laut entweicht. Blas einen tiefen Ton, die tiefen gehen doch viel leichter. Vielleicht, ich bin froh, dass überhaupt was rauskommt.

Das Alphorn ist ein Naturinstrument, weil es keine Klappen, keine Ventile hat. Nur die Luft und die Schwingungen der Lippen erzeugen die Töne. Wegen dieser Technik gehört das Alphorn zu den Blechblasinstrumenten. Obwohl es aus Holz ist. Aus hauchfeinem Linden-, Erlen- oder Fichtenholz, zum Schutz der dünnen Wände ummantelt mit Bambus. Und trotz seiner imponierenden Größe ist es leicht, wiegt gerade mal drei Kilo. Teuer ist es auch, rund 1500 Euro.

Allein das Mundstückl kostet 40 Euro.

Stell dir vor, du stößt mit der Zunge Dreck vom Mund weg