Früher war der Sommerschlussverkauf bis ins letzte Detail gesetzlich geregelt: Die Händler durften Mountainbikes billiger anbieten, Hollandräder aber nicht. Rabatte auf Koffer gab es nur, wenn sie aus Leder waren und nicht aus Plastik. Solch unsinnige Vorschriften gibt es seit Anfang Juli nicht mehr, und davon erhofften sich viele einen regelrechten Konsumschub. Der aber blieb aus, sofern man den Reaktionen nach dem ersten selbst organisierten Sommerschlussverkauf glauben darf. Die Bilanz des Einzelhandels: Man könne zufrieden sein. Und der Umsatz? Ach, der sei doch nicht so wichtig.

Von wegen. Das Ergebnis beweist zweierlei: Erstens steht es nach wie vor schlecht um den Konsumstandort Deutschland. Und zweitens waren die absurden Regeln von damals offenbar nicht dafür verantwortlich, dass die Kunden knapsten. Was fehlt, sind Geld und Ideen.

Seit Jahren ist die Stimmung der Verbraucher schlecht. Nach einer kleinen Verbesserung im Juni ist ihre Erwartung an ihre persönliche Einkommensentwicklung wieder gesunken, ebenso ihre Bereitschaft, Geld auszugeben. Statt zum Einkaufen gehen viele lieber zum Demonstrieren in die Innenstädte. Hartz IV werde dem Land im kommenden Jahr rund drei Milliarden Euro Kaufkraft entziehen, schätzt die HypoVereinsbank.

Doch selbst wenn dieses Geld vorhanden wäre, wofür wollte man es ausgeben?

Die Konsumgüterindustrie präsentiert seit Jahren vor allem Scheininnovationen und verklärt jede Änderung am Verpackungsdesign zur Sensation. Solange echte Ideen mit Mehrwert ausbleiben (wie zuletzt die Erfindung von Handy oder Internet), wird Einkaufen kein Massenphänomen. Ein Placebo wie der Schlussverkauf wird daran nichts ändern. Er ist kaum mehr als eine Totenfeier.