Die Geschichte der Villa Franca in Positano beginnt in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als sich nach Kriegsende Amerikaner und Engländer aufmachten, Süditalien jenseits von Pompeji zu erkunden. Diesen Reisenden gewährte Guiseppe Russo Unterkunft in seinen privaten vier Wänden, rund hundert Meter hoch über der Küstenlinie. Nach und nach richtete er Zimmer mit eigenen Bädern ein und begann, für seine Gäste auch zu kochen. Nach dem Dinner servierte er in seiner Bar – die damals eine der ersten des Ortes war – selbst gemachten Likör. Bald gingen ihm seine Kinder Franca und Mario bei der Betreuung der Fremden zur Hand. Schließlich übernahmen sie auch das Management und gestalteten das Haus allmählich um zu einem intimen, romantisch-eleganten Vier-Sterne-Hotel mit Zimmerheizung (eine Besonderheit in Süditalien), Lobby-Bar, Restaurant und Wellness-Bereich.

Im Haupttrakt liegen heute 28 Zimmer, zehn weitere in der benachbarten Residenzia. Von der Ausstattung her sind sie identisch: eine Mischung aus mediterran und arabisch mit weiß gefliesten Böden, barocken Kachelornamenten an den Häuptern der Betten, verspielten Säulen und Bögen, lediglich die Größe variiert, das gilt auch für die Badezimmer. Von fast allen Räumen tritt man hinaus auf einen filigranen, schmiedeeisernen Balkon, entweder mit Blick über die Dächer von Positano oder auf Meer und Küste. Auch vom Restaurant Li Galli aus hat man eine wunderschöne Aussicht, wenn nicht gerade Linguine mit Lobster-Sauce oder der farbenfrohe Vorspeisenteller mit verschiedenen Muscheln, winzigen Sardellen, Scampi und Kirschtomaten die volle Aufmerksamkeit erfordern.

Unübertroffen ist freilich der Blick vom Rand des kleinen Pools auf der Dachterrasse. Das Panorama reicht vom Ultramarin der Wellen und dem Graphitgrau des Kiesstrands über das Apricot, Altrosé und Vanille der übereinander geschachtelten Häuser bis zum satten Pink der Bougainvilleen, dem zarten Schimmer der Oleanderbüsche in den steilen Gärten und der Grünpalette der Weinranken, Palmwedel, Oliven-, Orangen- und Zitronenbaumkronen. Hoch oben wird es begrenzt von den Küstenfelsen und der dunkeltonigen Vegetation der Berge des Hinterlands.

Wie zu den Anfangszeiten vor einem halben Jahrhundert, stellen Engländer und Amerikaner noch heute die Hauptklientel der Villa Franca. Die farbliche Ausstattung im Dreiklang von Meeresblau, Schaumkronenweiß und Limoncello-Gelb entlockt den Gästen in der Regel sofort den Entzückungsschrei "Cosy!" , der spätestens auf der Dachterrasse in einem enthusiastischen "Marvellous!" gipfelt.

Von der Villa Franca führen ein Sträßchen oder steile, grobsteinige, schmale und breite, schattige wie sonnenheiße Treppenwege in die engen, für Autos gesperrten Gassen von Positano. Diesen Wegen widmete schon John Steinbeck in den fünfziger Jahren ein literarisches Stöhnen. "Ich habe das Empfinden, dass die Welt in Positano senkrecht steht", schrieb er. Und: "Wenn man einen Freund besuchen will, dann läuft man nicht, sondern klettert oder rollt." Wer den zehnminütigen Abstieg scheut, kann am Hotel auch in den hauseigenen Shuttlebus steigen. Bis Mitternacht bringt er die Gäste hinab ins wuselige Zentrum des Orts und wieder zurück an seinen paradiesischen oberen Rand.

Hotel Villa Franca, Via Pasitea 318, I-84017 Positano, Tel. 0039-089/875655, Fax 0039-089/875735, www.villafrancahotel.it , Zimmer und Suiten zwischen 196 und 340 Euro, Parkplatz 18 Euro