Der neueste Tipp lautet: Stiftung gründen! Arbeitslose sollen ihre Ersparnisse an eine Stiftung übertragen, die dann für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgt. So wäre das eigene Vermögen vor Hartz IV geschützt. "Diese Idee geistert seit kurzem herum", sagt Guido Grüner von der Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg. "Aber das ist natürlich Unsinn, das mag vielleicht bei ganz großen Vermögen funktionieren, aber nicht bei den Leuten, die zu uns in die Beratung kommen und 20000 oder 30000 Euro zusammengespart haben."

Der vermeintliche Geheimtipp würde wohl auch wirklich reichen Leuten nichts nützen, denn letztlich handelte es sich dabei um eine Schenkung, eine künstlich herbeigeführte Selbstverarmung, die beim Antrag auf Sozialleistungen noch zehn Jahre rückwirkend ausgeschlossen ist. Doch im Moment scheint kein Rat, kein Hinweis zu abwegig, um nicht heiß diskutiert zu werden. Hartz IV, die einschneidendste Sozialreform der rot-grünen Regierung, bedeutet für viele Arbeitslose: Sie müssen damit rechnen, dass ihre Stütze gekürzt oder gestrichen wird. Nur wer als bedürftig gilt, bekommt das neue Arbeitslosengeld II.

Während einige zehntausend Menschen deshalb auf Montagsdemos gegen die Hartz-Gesetze protestieren, hat eine millionenfache Suche nach Ausweichmöglichkeiten und Schlupflöchern begonnen, nach legalen wie nach illegalen Wegen, um ungeschoren davonzukommen. Dabei geht es nicht nur um wackelige Stiftungskonstruktionen und windige Tricks, mit denen sich angeblich die Auszahlungslücke für das neue Arbeitslosengeld II im Januar vermeiden lässt. Im Mittelpunkt vieler Überlegungen stehen ganz solide, vom Staat selbst geschaffene Fluchtwege – die den Steuerzahler Milliarden kosten könnten.

Einer der interessantesten Notanker ist die Ich-AG. Jeder Empfänger von Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe kann sich selbstständig machen und dafür staatliche Hilfe in Anspruch nehmen: 600 Euro pro Monat im ersten, 360 im zweiten, 240 Euro im dritten Jahr. Unabhängig vom eigenen Vermögen, vom Einkommen des Lebenspartners oder der Frage, ob man in einem "angemessenen" Wohnraum lebe – wie sie jetzt bei der Bedürftigkeitsprüfung für das Arbeitslosengeld II beantwortet werden muss. Daher ist die Ich-AG vor allem für die etwa 500000 Arbeitslosen interessant, die künftig wegen ihres Vermögens oder wegen eines gut verdienenden Partners ganz aus der Unterstützung herausfallen sollen.

Statt der erwarteten Einsparungen drohen dann aber neue Kosten für den Steuerzahler. Wenn nur die Hälfte aus dieser Gruppe zum Jahresende noch schnell das Ich-AG-Geld beantragt, müsste der Staat dafür im nächsten Jahr 1,8 Milliarden Euro zahlen. Jürgen Heike, bayerischer Staatssekretär und Mitglied im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit (BA), fürchtet bereits "ein neues Milliardenloch im Haushalt der BA".

Das Problem ist: Die Arbeitsagentur kann den Antragstellern die Ich-AG-Förderung nicht einfach verwehren. Für den Rechtsanspruch auf Zuschüsse vom Staat reicht eine beliebige Idee für die Existenzgründung – ob als selbstständiger Hundeausführer oder freischaffender Philosoph. Weder ein erfolgversprechender Geschäftsplan noch regelmäßige Einnahmen müssen nachgewiesen werden. "Das ist für alle, bei denen die Arbeitslosenunterstützung ausläuft, geradezu eine Einladung, eine neue Geldquelle anzuzapfen", warnt Hermann Scherl, Professor für Sozialpolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Die besten Tipps und Tricks stehen im Internet

Schon jetzt hat die Zahl der Ich-AGs einen Rekordstand erreicht, und bereits Ende Juni hatte die Bundesagentur die in diesem Jahr dafür veranschlagten Haushaltsmittel – eine halbe Milliarde Euro – weitgehend ausgegeben. Beim Bundeswirtschaftsministerium wurden außerplanmäßige Mittel in Höhe von weiteren 300 Millionen Euro beantragt. Ob das reicht, ist aber fraglich.