James Joyce war im Alter fast blind und sein Kunstgeschmack konventionell. Das aber hält bildende Künstler bis heute nicht davon ab, sein Gesicht mit Hut, Schnurrbart und Lupenglas-Brille zu porträtieren, seine Bücher zu illustrieren und sein Werk als Inspiration zu benutzen. Aber ein Autor, der einen Romantitel mit Portrait of the Artist as ... beginnen lässt, bekommt ein P.o.t.A.a.Vfb. zurück - Portrait of the Artist as Vogelfutterbüste von Dieter Roth. Hundert Exponate aus aller Welt hat die deutsche Kuratorin Christa-Maria Lerm Hayes für die Ausstellung Joyce in Art in der Dubliner Royal Hibernian Academy zusammengetragen - ein beeindruckender Festbeitrag zum 100. Bloomsday, jenem Tag, an dem Joyce' Roman Ulysses spielt (bis 28.

August, Katalog 40 Euro). Wie weit können sich die Bilder und Skulpturen vom großen Meister emanzipieren? Ist es doch ein Wagnis, aus der Leitfigur der modernen Kunst moderne Kunst zu machen. Nicht immer gelingt es - am ehesten dort, wo sich die Maler und Bildhauer am weitesten vom Menschen Joyce entfernen. Wie zum Beispiel Richard Hamilton in seinem Ready-made Epiphany, einem gigantischen orange lackierten Plastikbutton mit der blauen Aufschrift Slip it to me. Oder Joseph Beuys, der von sich behauptete, er habe von Joyce postum den Auftrag bekommen, den Ulysses um ein paar Kapitel zeichnend zu erweitern. Und warum nicht? Joyce hätte den Reim der Nachnamen sicher bedeutsam gefunden. Die Ulysses-Erweiterungen aber brauchen den Roman nicht mehr - Motive daraus finden sich noch in Beuys' Entwurf für eine Skulptur, die auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers in Auschwitz stehen sollte.