Sind wir allein im All? Die Frage beschäftigt die Menschheit seit Jahrhunderten, und viele fühlen sich zu einer Antwort berufen: Ja, es gibt Leben im All! titelte Bild am vergangenen Montag. Beweise hatte das Blatt leider nicht anzubieten, nur die zurückhaltende Aussage "Wahrscheinlich ja" des Astrophysikers Günther Hasinger. Aufsehen erregte vor zwei Wochen auch Seth Shostak, Astronom am Seti-Institut der Universität Berkeley, das den Himmel – bislang vergeblich – nach Signalen intelligenter Wesen abhört: Binnen 20 Jahren, so Shostak, werden wir Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen. Klingt aufregend. Doch nun regt sich Widerspruch.

Die Grundlage für alle Prognosen über das Vorkommen von Außerirdischen ist die so genannte Drake-Formel. Mit ihr lässt sich die Zahl der intelligenten Zivilisationen in unserer Milchstraße abschätzten. Die 1961 von dem Astronomen Frank Drake aufgestellte Formel lautet:

N = R * · f p · n e · f l · f i · f c · L

Dabei ist R* die Zahl der neuen Sterne, die pro Jahr entstehen. fp ist der Anteil der Sterne, die über Planeten verfügen. Hinter ne verbirgt sich der Anteil der Planetensysteme, in denen es einen der Erde ähnelnden Planeten gibt, fl ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass auf einem solchen Planeten Leben entsteht. Mit einer Chance von fi entwickelt sich daraus etwas Intelligentes, nur ein Anteil von fc allerdings will auch mit anderen Wesen kommunizieren. Und L bezeichnet schließlich die Lebensdauer einer solchen Zivilisation – es kann nämlich gut sein, dass die anderen längst untergegangen sind oder aber sich erst entwickeln, wenn die Menschheit sich selbst vernichtet hat.

Eine sehr exakte Formel – allerdings steht und fällt sie mit der Genauigkeit, mit der man die einzelnen Faktoren kennt. Je nach den Werten, die man dort einsetzt, kann man optimistische oder pessimistische Werte für N erhalten. Vergangene Woche meldeten sich nun vier angesehene Astronomen zu Wort, die den Faktor ne erheblich niedriger ansetzen wollen als bisher. Ihnen zufolge könnte unser Sonnensystem eine recht einzigartige Erscheinung sein, insbesondere was die Existenz von erdähnlichen Planeten betrifft.

Martin Beer und Andrew King von der britischen Universität Leicester sowie Mario Livio vom Hubble-Institut in Baltimore und Jim Pringle von der Universität Cambridge nahmen die etwa hundert so genannten extrasolaren Planeten unter die Lupe, die in den vergangenen Jahren entdeckt worden sind. All diese Systeme enthalten Riesenplaneten, die mindestens so groß sind wie Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems. (Wobei man hinzufügen muss, dass kleinere Planeten mit den bisher verfügbaren Techniken gar nicht aufgespürt werden können.)

Während in unserem System alle Planeten außer Pluto auf annähernd kreisförmigen Bahnen um das Zentralgestirn laufen, besitzen fast alle extrasolaren Riesenplaneten stark elliptische Bahnen, zudem kommen sie ihrer Sonne viel näher als Jupiter und Saturn der unseren. Daraus folgt: In der schmalen "gemäßigten" Zone, in der Wasser in flüssiger Form existieren könnte, kann kein kleinerer Planet in einem stabilen Orbit kreisen, seine Bahn würde ständig von dem exzentrischen Riesen gestört. Das heißt aber auch: In solchen Systemen kann es nach menschlichem Ermessen kein Leben geben.

Eine Erklärung für diese Beobachtung bieten die vier Forscher auch an: "Die nächstliegende ist, dass Planeten auf mehr als eine Weise gebildet werden können", sagt Martin Beer. Bisher hatten die Astronomen nur jenes Modell, nach dem unser eigenes Planetensystem entstanden ist: Darin bilden sich zunächst felsige Klumpen etwa von der Größe der Erde. Diese ziehen mit ihrer Gravitation große Mengen von Gas an und wachsen so zu Riesenplaneten an. Weil in Sonnennähe diese Gase verdunsten, können sich große Planeten nur in großer Entfernung vom Zentralstern bilden.