Der drohende Völkermord im Sudan hat – kurzfristig – das Interesse der Weltöffentlichkeit auf den afrikanischen Kontinent gerichtet. Auf dem deutschen Buchmarkt wird man eine aktuelle fundierte Studie zu den Hintergründen des Dramas jedoch vergebens suchen. In englischer Sprache liegen hingegen einige exzellente Darstellungen zu den Wurzeln des langjährigen, mörderischen, hierzulande bislang kaum wahrgenommenen Bürgerkrieges in Nordostafrika vor. Der britische Historiker Douglas H. Johnson hat etwa mit The Root Causes of Sudan’s Civil War (Indiana University Press, Bloomington 2003; 256 S., 23,50 ¤) eine differenziert argumentierende, faktenreiche und gut geschriebene historische Analyse vorgelegt. Einen konzisen Überblick über die Geschichte des Sudans enthält der dritte und letzte Band des verdienstvollen Handbuchs Afrika (Nord- und Ostafrika; Brandes & Apsel, Frankfurt a. M. 2004; 400 S., 25,50 ¤) aus der Feder des in Wien lehrenden Afrikanisten Walter Schicho. Ein Beitrag in der von Walter Feichtinger herausgegebenen Anthologie Afrika im Blickfeld (Kriege, Krisen, Perspektiven; Nomos, Baden Baden 2004; 170 S., 35,– ¤) widmet sich ebenfalls dem Konflikt im Sudan und untersucht vor allem die regionalen und internationalen Bezüge. Das Bild der hungernden Flüchtlinge aus Dafur hat einmal mehr Afrikas Image als Katastrophenkontinent genährt. Afrika – ein verlorener Kontinent? (Bayerische Landeszentrale für Politische Bildung, München 2004; 382 S.) fragt ein von Mir A. Ferdowski zusammengestellter Sammelband, der Aufsätze führender deutscher Afrika-Politologen vereint. Ihr Fazit: Trotz aller Kassandrarufe deuten die innerafrikanischen Entwicklungen darauf hin, dass die vielfältigen Krisen auch die Chance zu einem Neuanfang bieten. Wesentlich pessimistischer ist der Afrika-Redakteur von Le Monde, Stephen Smith. In seinem provokanten, in Frankreich viel diskutierten Buch Nécrologie (Pourquoi l’Afrique meurt; Calman-Lévy, Paris 2004; 248 S., 17,– ¤) schreibt er, die Gegenwart habe in Afrika keine Zukunft mehr. Wer hingegen eine gleichsam unaufgeregte und kompetente Darstellung der afrikanischen Zeitgeschichte lesen will, die ohne apokalyptische Visionen auskommt, der kann nun zu Paul Nugent: Africa Since Independence (A Comparative History; Palgrave, New York 2004; 620 S., 29,50 ¤) greifen.