Ungehorsam.

Bei der taz gab es früher eine hübsche Tradition: Wenn den Korrektoren in den Texten, die sie lasen, etwas nicht passte, korrigierten sie den Text - nicht nur die Rechtschreibung. Eine ähnliche Form des zivilen Ungehorsams hat sich nun offensichtlich beim Spiegel eingeschlichen. Jedenfalls fordert Chefredakteur Stefan Aust in seiner Hausmitteilung zur Rechtschreibreform kühn die Rückname der bürokratischen Zwangsschreibe. Ein Vorgriff auf die Reform der Reform à la Spiegel? Oder doch ein Fall von hausinterner Sabotage?

Wir wissen es nicht, fordern aber die Kollegen Korrektoren an dieser Stelle auf: Nehmt mehr Rüksicht auf eure Chefredakteure!

Historische Pistole.

Benito Mussolini wurde von Partisanen am 26. April 1945 hingerichtet. Mit einer Maschinenpistole, die die Zeiten überstand. Das Schießeisen ist jetzt als makaberes Artefakt im albanischen Geschichtsmuseum in Tirana zu besichtigen. Walter Audisio, stolzer Partisanenführer, hatte die Pistole 1957 - mit einem Begleitbrief versehen - dem heldenhaften albanischen Volk als Zeichen meiner tiefen Bewunderung geschenkt. In Italien gehen die Meinungen über die Ausstellung auseinander. Alessandra Mussolini, Duce-Enkelin und EU-Abgeordnete, forderte die Vernichtung der Waffe. Italien dürfe keinen geschichtlichen Fetischismus dulden, so die Politikerin. Historiker hingegen wollen die Pistole der italienischen Öffentlichkeit zugänglich machen, da großes geschichtliches Interesse an ihr bestehe. Heute wie damals muss der Diktator also zur Ergötzung des Publikums herhalten. 1945 hatte man allerdings nicht die Mordwaffe, sondern gleich den toten Duce samt erschossener Geliebten auf der Piazza Loretto in Mailand zur Schau gestellt.

Leck-Lücke.

Er treibt sich gern in den Rotterdamer Parks herum. Er schleicht sich an sonnenhungrige Frauen an. Er leckt ihnen die Zehen, und die Gesetzeshüter lassen ihn gewähren. Ein Polizei-Skandal? Aber nein! Unaufgefordertes Zehen-Lecken ist dank einer Gesetzeslücke in Holland kein offizieller Straftatbestand. Peter van Heemst, holländischer Parlamentsabgeordneter, hat sich nun auf die Fahnen geschrieben, dem 35-jährigen Fußfetischisten das Handwerk zu legen und die Leck-Lücke per Gesetz zu schließen. Es ist eine Verletzung der Privatsphäre, so van Heemst. Niemand sollte ungefragt den Körper eines anderen Menschen berühren dürfen. Justizminister Piet Hein Donner hat sich zur Zehen-Affäre bislang nicht geäußert. Wer in Rotterdam auf das Sonnenbad im Stadtpark nicht verzichten möchte, sollte also den Leck-Attacken keine Angriffsfläche bieten und lieber Schuhe tragen.