Österreichs Rindviecher waren jüngst in guter Verfassung. Eine Kuh attackierte eine Touristin in Maria Alm (Knöchel und Rippen gebrochen). Auch die Duelle mit Wanderern in Wagrain und andernorts entschied Bos taurus für sich. Die Kuh versteht es, sich gegen Eindringlinge zur Wehr zu setzen.

Womöglich haben die Österreicher aufgrund solcher Meldungen die Kampfkraft ihrer Schützlinge überschätzt. Nur so ist zu erklären, warum sie leichtsinnig in den Bau einer Bärenbrücke über die A 2 bei Arnoldstein einwilligten. Sie ermöglicht jetzt slowenischen Bären die gefahrlose Einwanderung nach Kärnten - mit fatalen Folgen.

Eines der ersten Opfer ist das Kalb von Bauer Karl Schober. Als dieser am vergangenen Wochenende seine Kuhherde besuchte, begrüßte ihn eine knurrende Bestie. Zornig vertrieb Schober den Bären, sah nach, was von dem neugeborenen Kalbe übrig geblieben war, und musste feststellen, dass es schon halb aufgefressen war.

Werden sich Österreichs Kühe an solche Übergriffe gewöhnen müssen?

Schließlich ist bei Ursus arctos geradezu eine Bevölkerungsexplosion zu verzeichnen. In einem Jahr hat die Bärengemeinde um 30 Prozent zugenommen und damit auch der Druck auf die dort heimische Kuhpopulation. Durchschnittlich haben wir sechs Bären in Kärnten. Heuer sind es zwei mehr, sagt Bernhard Gutleb, der offizielle Bärenanwalt von Österreich.

Schon wird der Ruf nach Eindämmung laut. Die Bauern der Alpenrepublik haben jedenfalls ein massives Zuwanderungsproblem. Dabei klang der Ruf nach populationsverbindenden Wildbrücken so verführerisch. Nun zeigt sich: Die Entstückelung einer - dank Autobahnen und Bahntrassen mühsam gewachsenen - Kulturlandschaft ist voller Risiken.

Denn im Tierreich ist ein friedliches Zusammentreffen keine Selbstverständlichkeit. Und wenn, nach Jahrzehnten der Trennung, Klaue und Horn auf die kräftigen Beißer des Bären stoßen, zeigt sich: Für die Kühe ist Ursus arctos ein ganz anderer Gegner als der gemeine Tourist.