Erleichterung machte sich in dieser Woche unter vielen Windows-Nutzern breit. Denn vor einigen Tagen veröffentlichte Microsoft endlich das "Service Pack 2" - eine Sammlung von kleinen Reparaturprogramme für Windows. Nutzer des aktuellen Betriebssystems XP warteten schon seit langem mit Spannung auf eine neue Ausgabe dieser bislang unregelmäßig erscheinenden Erste-Hilfe-Pakete. Dieses Mal aber scheint Bill Gates seine Kunden verwöhnen zu wollen: Der neue Service Pack nämlich ist nicht nur eine Sammlung von so genannten Patches, mit denen Sicherheitslücken und andere Fehler in den Microsoft-Programmen behoben werden. Das bestehende System wird nicht nur geflickt, sondern um neue sicherheitsrelevante Funktionen erweitert. Die wichtigste Verbesserung ist die Windows-Firewall, mit der PCs vor Viren und anderen Angreifern aus dem Internet geschützt werden.

Das Update gegen Fremdzugriffe war dringend nötig. Denn der Softwareriese aus Redmond im Nordwesten der USA war in der Vergangenheit verstärkt unter Druck geraten. Wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung auf dem Feld der Betriebssysteme war Microsoft von der EU-Kommission jüngst zu einem Rekordbußgeld von 479,2 Millionen Euro verurteilt worden. Allerdings sollte dieser Betrag keine Beeinträchtigung für das Geschäft des Konzerns darstellen, der inzwischen vor allem Dank seines Quasimonopols über liquide Mittel von über 50 Milliarden Dollar verfügt. Seit der Gründung Microsofts durch Bill Gates im Jahr 1975 fanden dessen Betriebssysteme auf nahezu jedem PC Einzug. Inzwischen verfügt die Firma in diesem Bereich über mehr als 95% Marktanteil (einschließlich MAC OS, das genau genommen nicht als PC-Betriebssystem gilt).

Angesichts einer solchen Verbreitung von Windows wirkten sich zahlreiche in den vergangenen Monaten entdeckte Sicherheitslücken besonders drastisch aus. Gefährliche Computerviren konnten ohne Probleme in das System eindringen und so großen Schaden anrichten. Viele Viren- und Wurmautoren nutzten die Fehler in dem Betriebssystem aus, um ihre Schädlinge im Internet zu verbreiten. Einige davon schafften es sogar über Fachkreise hinaus in die Berichterstattung der Tagespresse und Abendnachrichten. Beispielhaft stehen hierfür die in den vergangenen Monaten sehr verbreiteten Würmer MyDoom und Sasser, die durch ihre immense Schadwirkung auf die Computernetzwerke von Unternehmen traurige Berühmtheit erlangten. Rufe von Experten und Anwendern nach einem verbesserten Schutz vor solchen Gefahren wurden daher immer lauter und der Druck auf Microsoft entsprechend größer. Nun hofft der Hersteller mit dem Service Pack 2 alle Lücken geschlossen zu haben, um die Verbreitung von Viren erfolgreich eindämmen zu können.

Ob die getroffenen Maßnahmen tatsächlich wirksam sind, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten erweisen. Denn die enorme Verbreitung von Windows - alleine Windows XP, für das das aktuelle Service Pack bestimmt ist, ist auf nahezu der Hälfte aller PCs installiert - verführt Schädlings-Programmierer geradezu, nach Schwachstellen zu suchen und diese dann auch auszunutzen.

Doch nicht nur hausgemachte Probleme müssen Microsoft Sorgen bereiten. Während Windows derzeit vor allem mit der Anfälligkeit für Schädlinge Schlagzeilen macht, wird im Gegenzug das "freie" Betriebssystem Linux, das bisher von spektakulären Wurmattacken verschont geblieben ist, immer bekannter. Linux ist "frei", was eine Umschreibung des Begriffs "Open Source" ist, das heißt der Quellcode des Programms - normalerweise das bestgehütete Geheimnis einer Software - ist für jedermann zugänglich. Das ermöglicht es theoretisch jedem, Änderungen an einem Programm vorzunehmen und es nach seinen Wünschen zu gestalten. Die Verfechter des Open Source-Gedankens sind der Ansicht, dass diese Offenheit gleichzeitig den Vorteil biete, dass etwaige Programmierfehler wesentlich schneller entdeckt und behoben werden könnten. Dies schließt die Gefahr einer Wurmattacke zwar grundsätzlich nicht aus, denn auch deren Autoren haben ja vollen Einblick in den Programmcode, doch ein Patch stehe viel früher zur Verfügung, da sich ja meist ein Programmierer finde, der sich des Problems annimmt.

Ob dies in der Praxis wirklich so ist, wird vor allem von Microsoft stark bezweifelt. Für den Nutzer zahlt sich Linux allerdings auf ganz andere Art und Weise aus. Das Betriebssystem ist wesentlich günstiger zu haben als Windows, oft kann man es sogar völlig legal kostenlos im Internet downloaden. Aber noch scheinen die Anwender vor dem Umstieg zurückzuschrecken. So beläuft sich der Anteil von Linux am Gesamtmarkt (einschl. MAC OS) derzeit auf lediglich ca. 0,4%. Dass man bei Microsoft das Problem dennoch ernst nimmt, zeigen mehrere Maßnahmen des Unternehmens. So lässt der Konzern etwa Untersuchungen anfertigen, um mithilfe der Ergebnisse die eigene Marke in ein positives Licht zu rücken. Eine durch den Softwareriesen finanzierte Studie der Uni Münster beispielsweise bescheinigt ihm die Rolle eines Jobmotors in Deutschland. Ebenfalls von Microsoft in Auftrag gegeben wurde eine Studie der Beraterfirma Bearingpoint, die im langfristigen Vergleich von Linux und Windows auf Servern zu einem besseren Ergebnis für das Produkt aus den USA kommt. Außerdem wird mit einer Werbekampagne, die die Softwareschmiede "Fakten zu Windows und Linux" genannt hat, versucht, das Image des eigenen Programms zu verbessern.

All diese Maßnahmen sind gezielt auf Unternehmen gerichtet. Denn im Gegensatz zum Geschäft mit den Heimanwendern werden in diesem Bereich die größten Gewinne gemacht. Und für die Firmen entscheidet vor allem die Kosten-Nutzen-Rechnung über den Einsatz einer bestimmten Software. Dass dabei Microsoft nicht immer ganz so gut abschneidet, zeigt die Statistik: schon heute laufen ca. 12% aller Server unter Linux. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts IDC soll der Anteil bis 2008 sogar noch auf bis zu 29% steigen. Die Server zahlreicher Institutionen, wie etwa Universitäten, laufen bereits unter Linux oder werden gerade umgerüstet, so im Deutschen Bundestag. Zudem sind bei einigen Unternehmen, Städten und Ämtern Überlegungen im Gange, komplett auf Linux umzusteigen, wie es zum Beispiel in München jetzt schon getan wird. Kein Wunder also, dass die Redmonder hartnäckig versuchen gegenzuhalten.