Was nützt es noch, Fußball zu schauen, wenn Zinedine Zidane nicht mehr spielt? Man sucht mit den Augen den Horizont ab und sieht nur ein ödes grünes Feld, auf dem blasse Gestalten hin und her laufen. Unnütze Wesen! Der Mann, der (zumindest dem französischen) Fußball zehn Jahre lang Sinn gab, will nicht mehr. Zidane teilte gestern über seine Homepage mit, dass er nach 93 Einsätzen seine internationale Karriere bei den "Bleus" beendet. "Schon vor der EM hatte ich ans Aufhören gedacht. (...) Ich habe diese Entscheidung reiflich überlegt. Sie ist vernünftig", sagte er in einem Interview mit der Zeitung L’Equipe . Trotz der Europameisterschaft-Blamage hatte der neue Nationaltrainer Raymond Domenech noch gehofft, Zidane davon überzeugen zu können, bis zur WM 2006 in Deutschland weiter zu machen. Er sollte das Bindeglied zwischen der neuen und alten Generation sein. "Etwas ist zerstört geworden", begründete der Ex-Kapitän der Tricolores seinen Schritt, und lehnte Domenechs Vorschlag ab. Nach den Rücktritten von Desailly, Thuram und nicht zuletzt Lizarazu ist von der Seele der Mannschaft, die in Folge die WM 98 und die EM 2000 gewonnen hat, nicht viel übrig geblieben. Der Zusammenhalt dieser Mannschaft, aus der sich bereits nach der EM 2000 Blanc, Deschamps, Petit und Djorkaeff verabschiedet hatten, war für Zizou etwas Besonderes, die jüngere "Play-Station"-Generation blieb ihm dagegen eher fremd. Zudem ist es kein Geheimnis, dass die Stimmung bei den Franzosen in Portugal nicht besonders gut war. Dies mag erklären, warum der Künstler eine gewisse Müdigkeit verspürt. Auf die Frage, ob die Abschiede seiner Freunde ihn in seiner Entscheidung beeinflusst hätten, fiel seine Antwort eindeutig aus: "Zwischen uns existiert etwas so Tiefes, dass ich keine Lust habe, auch nur zu versuchen, dies zu beschreiben. Was soll ich sagen? Die Geschichte geht zu Ende, und wir beenden sie zusammen."Eine Geschichte, die am 17. August 1994 begann, gegen die Tschechische Republik. Frankreich lag 0:2 zurück. Aimé Jacquet wechselte eine halbe Stunde vor Schluss zum ersten Mal einen jungen Stürmer von Girondins Bordeaux ein, der sich für dieses Geschenk mit zwei Toren bedankte. Am Ende stand es 2:2 – der Retter des französischen Fußballs war geboren. Zidane war zwar noch nicht Zizou, aber Jacquet spürte schon, dass er mit dem Sohn einer algerischen Einwandererfamilie aus Marseille die Nationalmannschaft neu aufbauen könnte. Im Laufe der Jahre entfaltete Zidane sein Talent, vor allem dank seines Aufenthalts bei Juventus Turin (1996-2001), wo er sein endgültiges Format erreichte.Der Höhepunkt seiner Karriere wurde die WM 98; er schoss Frankreich im Finale gegen Brasilien fast im Alleingang zum Titel. Und wurde so zum Helden einer ganzen Nation, "die Ikone des französischen Volk", wie Didier Deschamps sagte. Der Mythos des multikulturellen Frankreich wurde, dank des Erfolges seiner multikulturellen Fußballnationalmannschaft, mit dem Sieg bei der EM 2000 fortgesetzt.Um in Zukunft Zizous Geniestreichen beizuwohnen, uns von seiner Technik begeistern zu lassen, müssen wir von nun an nach Madrid blicken, wo der Franzose noch bis 2007 unter Vertrag steht. Echte Emotionen werden seine Auftritte in der zusammengekauften Söldnertruppe wohl kaum auslösen, stattdessen wird man sich wehmütig seiner Auftritte in der Nationalmannschaft erinnern." Das Schönstes was mir passiert ist, war die Nationalmannschaft", sagte er am Ende seines Interviews. Maestro, Sie sind ohne Zweifel zu früh von der internationalen Bühne abgetreten. Man kann mit 32 Jahren noch viele schöne Seiten der Fußball-Geschichte schreiben, und in Ihrem Fall, die Welt bezaubern. Gibt es ein Leben nach Zidane? Natürlich nicht. Alle, die diese Frage mit Ja beantworten, sind Lügner.