Der Aufschrei war groß, als die Menschen in zehn Staaten des südlichen Afrika im Herbst 2002 erfuhren, dass sie mit gentechnisch verändertem Mais abgespeist werden sollten. Was sie besonders empörte, war, dass sie eigentlich keine Wahl hatten, denn knapp 13 Millionen Menschen waren vom Hunger bedroht. Das Welternährungsprogramm WFP arbeitete auf Hochtouren, da entschieden die Regierungen von Mosambik, Simbabwe und Sambia, dass sie die Nahrungsmittelhilfe nicht mehr wollen – nicht einmal geschenkt.

In Sambia verbot der Präsident die Verteilung der gentechnisch veränderten Nahrung, denn: Was geschieht, wenn sich der geschenkte Gen-Mais irgendwann mit den heimischen Sorten kreuzt? Auch hatte der Präsident Sorge, für immer den Anschluss an die Märkte jener Länder zu verlieren, die der Gentechnik kritisch gegenüberstanden.

Die Bevölkerung war zutiefst verunsichert, denn die Not nahm Tag für Tag zu, während nebenan die Getreidesilos mit dem Mais der UN bis oben gefüllt waren. Viele fürchteten sich vor dem Gen-Mais, weil sie glaubten, von den internationalen Konzernen als Versuchskaninchen missbraucht zu werden. Ängste, die nicht vollkommen aus der Luft gegriffen waren, wenn man sich die wilden Feldversuche von Pharmaforschern in Afrika vor Augen hält.

Schon im 16. Jahrhundert wurde der Mais von portugiesischen Seefahrern nach Afrika gebracht. Er eroberte den gesamten Kontinent, die Ernährungsgewohnheiten veränderten sich dramatisch. Noch immer ist Mais die Ackerfrucht mit der schnellsten Ausbreitung. Allein in Westafrika nahm nach Schätzungen des International Institute of Tropical Agriculture in Nigeria die Produktion in den Jahren von 1981 bis 1996 um 259 Prozent zu.

Die Vorteile sind sofort zu spüren: der hohe Ertrag, den der Mais bietet, seine gute Lagerfähigkeit. Die Nachteile zeigen sich erst später: dass Mais Wasser und Kunstdünger braucht, dass die Bauern die Samen für die ergiebigen Hybridsorten jedes Frühjahr neu kaufen müssen. Weil sich all das kein Subsistenzbauer leisten kann, hat der Mais die Böden in manchen Regionen über Jahrzehnte ausgelaugt und ist für Schädlinge und Krankheiten extrem anfällig.

Vor allem verträgt Mais keine Dürre. In trockenen und wüstenhaften Zonen wie dem Sahel wirkt sich verheerend aus, dass die Menschen ihre traditionellen, klimaangepassten Getreidesorten und Feldfrüchte wie Fingerhirse, Bataten oder Sorghum ganz vergessen haben. An der Entwicklung dürreresistenter Maissorten wird gearbeitet. Internationale Bio-Tech- und Züchterfirmen werben damit für die Unersetzbarkeit der Gentechnologie. Doch die erste dürreresistente Sorte, die erprobt wird, ist am internationalen Maisforschungsinstitut in Simbabwe ganz konventionell gezüchtet worden.

Während der Versorgungskrise im südlichen Afrika lieferten die Amerikaner den größten Anteil der Nahrungsmittel. Nicht nur aus Barmherzigkeit. Andere Länder hatten sich längst darauf verständigt, Geld für Getreideaufkäufe in der Region zur Verfügung zu stellen. Die WTO-Verhandlungen drängen nun auch die amerikanische Regierung in diese Richtung. Aber die besteht darauf, dass ihre Hilfe made in USA ist. Eine versteckte Agrar-Subvention: Der Staat kauft heimische Überschüsse auf und verteilt sie in alle Welt – dagegen kann kein regionaler Anbieter konkurrieren.

Auch das Welternährungsprogramm WFP ist ein Kanal, die Welt an Gen-Food zu gewöhnen. Die USA sind der mit Abstand wichtigste Spender. So verwundert es nicht, dass der WFP-Chef James Morris eine entsprechend Gen-Food-freundliche Hilfsphilosophie vertritt. Auch für Afrika hatte man am Ende eine einvernehmliche Lösung gefunden: Der genetisch veränderte Mais darf nur als Mehl verteilt werden, damit er nicht mehr aussaatfähig ist. Die Ironie der Geschichte: Sambier und Simbabwer verzehren vermutlich seit Jahren genveränderte Nahrungsmittel – importiert aus Südafrika, der riesigen Kornkammer im Süden des Kontinents.