BELLETRISTIK Könnte man beim Lesen die Augen schließen, bei diesem Roman müsste man es tun. Ein Erzählfluss, der einen dahinschwemmt, mit Satzvariationen auf spielerische Nebenlinien lockt, in Strudeln der Gedanken, Hoffnungen, der Verzweiflung untertaucht und wieder hochzieht, geradezu rührend beharrlich nach verlangsamten Strecken wieder an Fahrt gewinnt und die Geschichte mit Witz nach vorn treibt. Worum es geht? Mozart natürlich.

Klarinettenkonzert in A-Dur, KV 622. Es erweckt Sehnsüchte in einem jungen Mann, an denen er sich abarbeitet, man könnte sagen, dies ist ein Entwicklungsroman. Aber natürlich hat Christian Gailly, auch Jazzsaxofonist und Psychoanalytiker, über mehr geschrieben. Wo es im Leben um so vieles geht und nicht selten immer nur um das eine.

Christian Gailly: KV 622

Roman. Aus dem Französischen v. Chris E. Paschold und Albert Gier - Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin 2004 - 142 S., 7,50 e

BELLESTRISTIK Sie werden tausendmal formuliert und nie geschrieben, vorsichtshalber nicht abgeschickt, gehen verloren, bleiben immer ein wenig unbeantwortet ... Briefe bezeugen Abwesenheit. Und suchen vielleicht die Nähe (oder gerade nicht!). Antonio Tabucchi spielt, geradezu beiläufig, mit dem Genre des Briefromans, Meine Liebe, schreibt er, oder Mein Liebling oder Liebste, liebe Liebe, plaudert, verspricht, erzählt und führt in den unfassbaren Kern der Dinge: Die Zeit geht durch dich hindurch, und deine Zukunft sucht dich, findet dich, lebt dich, heißt es, man darf das nicht nur als Versprechen sehen.

Antonio Tabucchi: Es wird immer später Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl - Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2004 - 285 S., 9,- e