Die Situation ist eindeutig: Ein Pick-up steht am Waldesrand, auf der Ladefläche liebevoll ein Zelt montiert, davor ein Gasbrenner, eine leere Suppendose. Vergnügt, sonnengerötet und neugierig blinzelt das Pärchen die beiden Beamten an, die aus ihrem VW-Bus steigen. Doch schnell verfliegt die gute Laune: Der Tatbestand des wilden Campens ist erfüllt. Feuerchen machen im trockenen Wald gefährlich. Beides wird gar nicht gern gesehen. "Wie lange brauchen Sie, um wegzukommen?" – "Eine Stunde." Man verabschiedet sich im Einvernehmen.

Achim Götz und Tino Gerigk fahren weiter. Streifenroutine der Heringsdorfer Bäderpolizei. 209 Bäderpolizisten zusätzlich sichern im Sommer Mecklenburg-Vorpommerns Strände und helfen, dass der wichtigste Wirtschaftszweig im Lande keinen Schaden nimmt – der Tourismus. In Heringsdorf, wo Achim Götz Hauptkommissar und Dienstgruppenleiter ist, verstärken in diesem Sommer 14 Bäderpolizisten das Revier, zuständig für die drei Kaiserbäder Bansin, Ahlbeck und Heringsdorf und ein paar weitere nicht ganz so elegant herausgeputzte Feriendörfer. Tino Gerigk ist einer von ihnen.

Im alltäglichen Polizeileben sichert der 27-Jährige aus Schwerin die Fußballspiele von Hansa Rostock oder marschiert bei Demonstrationen auf. Die Bäderstreife ist eine willkommene Abwechslung: zwar bedeutet das Verzicht auf große Sommerferien, Trennung von der Freundin, Wohnen im Gemeinschaftsheim. Doch man ist weg von den hierarchischen Strukturen der Bereitschaftspolizei. Tino Gerigk kann vieles selbst entscheiden, kann nach Herzenslust Helfer sein.

Sie suchen nach Kindern ebenso wie nach gestohlenen Fahrrädern

Es sind keine großen Geschichten. Eher eine wie an diesem Samstagabend: ein Zeltplatz, vier sehr aufgeregte junge Leute, ein knurriger Platzwart. Sie sind seit 16 Stunden auf Achse, und es wurde erst mal abkassiert, obwohl sie noch gar keinen Stellplatz hatten. Sie wollen wieder weg, und sie wollen ihr Geld zurück. Da kommen Götz und Gerigk angerollt. Der Mann im Wärterhäuschen gibt sofort nach. Die jungen Urlauber sind begeistert und verabschieden sich von den Bäderpolizisten mit einem herzlichen Handschlag.

Bäderpolizisten können Touristen glücklich machen. Fahrradtouristen leider nicht so leicht. Fahrraddiebstahl ist der Hit unter den Delikten dieses Sommers. Seit die Wege so gut ausgebaut sind, zieht die Region immer mehr Radler an. Wenn sie nur bessere Schlösser hätten, sagt Tino Gerigk. Jetzt haben er und seine Kollegen ein Auge auf Fahrräder.

Die Touristen sollen sich sicher fühlen auf Usedom, Deutschlands sonnenreichster Insel. Vor zwölf Jahren wurde der Bäderdienst in Mecklenburg-Vorpommern eingerichtet. Die Urlauber-Schutztruppe war bundesweit einzigartig. Schnell stellte sich heraus, dass sie auch dringend nötig war: Neonazis verprügelten auf einem Campingplatz eine Jugendgruppe aus Westdeutschland. Die Folge waren schlechte Schlagzeilen für den jungen Tourismus des Landes. Seitdem verstärkt die Bädertruppe von Mai bis September die Polizei in den touristischen Ballungsräumen wie Rügen, der Müritz-Region oder Ostvorpommern. Die Beamten greifen ein, wenn ein Strandkorbvermieter um Mitternacht Randalierer geschnappt hat; wenn ältere Urlauber in ihren teuren Hotels Ruhe haben wollen, die Jugend aber lautstark feiert; bei all jenen Delikten wie Diebstahl, Körperverletzung oder Sachbeschädigung und wenn zu viel Alkohol im Spiel ist. Natürlich fahnden sie auch nach Kindern, die am Strand abhanden gekommen sind; oder sie geben Auskunft, wie man vielleicht noch ein Hotelzimmer findet oder die nächste Disco. Deshalb werden Götz und Gerigk, wenn sie tagsüber mal in Uniform am Strand spazieren oder die Heringsdorfer Seebrücke abschreiten, die sich 508 Meter in die Ostsee vorwagt, von allen Seiten so freundlich gegrüßt, als gäbe es einen Wettbewerb "Wer grüßt am freundlichsten Meck-Pomms Polizisten" mit einem kostenlosen Urlaub als Hauptgewinn. In erster Linie aber wird die Bäderpolizei von Heringsdorf in der Spät- und Nachtschicht eingesetzt.

Im Seebad Ückeritz liegt der größte Campingplatz der Insel. Ein breitkreuziger schwarzer Sheriff von der Inselwacht passt auf, dass heute nacht die mehr als 3000 Urlauber die Campingplatzordnung einhalten. Demonstrativ rollen Götz und Gerigk langsam und für mehr als eine halbe Stunde mit dem Bus über das Gelände, als wollten sie mit dem neusten Cabrio Eindruck schinden. Es geht um ein Signal für die Jungs mit den Bierflaschen: Passt auf, wir sind in der Nähe. Präsent sein heißt die Order, Prävention die Parole.