Platz fünf für Franziska van Almsick, die sich "ein bisschen tot" fühlt, überhaupt die Schwimmer im Pech, die Tontaubenschützen treffen mittelmäßig – wir dürfen uns weiter kasteien. Eine Flut von Medaillen hätte zum vertrauten Bild schlecht gepasst: Abstieg eines Superstars, und kein Kraut dagegen gewachsen. Land in Fesseln, Sport auch. Und beide ziehen sich wechselseitig herunter. Berlin ist nicht Athen!, versuchen der Bundespräsident und der Kanzler die sportliche und die politische Lage auseinander zu halten. In verdächtigem Gleichklang haben sie – unabhängig voneinander – beteuert, die Sportler sollten zuallererst "ihren Spaß haben" und man solle sie nicht noch "zusätzlich" unter Druck setzen, ja, wir sollten "die Tassen im Schrank lassen" (Horst Köhler); er freue sich zwar über jede Medaille, aber "schon dabei sein ist ein Sieg" (Gerhard Schröder). Stern, mal herhören! Spitzenpolitiker schützen müde Spitzensportler! Die Eliten versagen schon wieder!

Spaß? Bild hat Jan Ullrich dabei ertappt, wie er "seinen enttäuschenden 19. Platz auch noch mit einem kühlen Weißbier" feierte – ungeniert. Sogar die Süddeutsche Zeitung ist irritiert, dass der Präsident diese Durchhängerei duldet. Hat der vielleicht die Tassen nicht mehr im Schrank? Und wie reagieren die "Spitzensportler"? Erik Zabel, goldmedaillenverdächtig lakonisch: Sein vierter Platz beim Radfahren sei gar nicht so schlecht, denn "die anderen waren stärker". Oder Judith Arndt, die immerhin Silber eingefahren hat beim Radrennen: "Gold", sagt sie, hätte es werden können, wenn der Bund Deutscher Radfahrer ihre Lebensgefährtin, die beste Sprinterin der Welt, wie sie meint, nicht von der Teilnahme ausgeschlossen hätte. Der Grund? Eben dieses Zusammenleben, deutet sie an. Das alles toppt Angelina Grün nach der knappen Volleyballniederlage gegen die USA: "Wir waren super drauf", strahlt sie. Und dreht den Spieß auch noch um und gesteht, dass "wir den ganzen Druck der Hoffnungslosigkeit brauchen". Besonders dem Kanzler müsste dieses Wort imponieren. Gunter Hofmann