Offiziell wurde Frankreich 1944 von den Amerikanern und Briten befreit. Über den Beitrag der 260 000 Soldaten der französischen Afrika-Armee dagegen sprechen meist nur die Afrikaner. Daran ändern auch die soeben beendeten Feierlichkeiten zum zweiten D-Day nichts. Das Gedenken an die zweite Landung der Alliierten am 15. August 1944 in der Provence widmete Frankreich den nahezu vergessenen afrikanischen Soldaten. Doch trotz gewaltiger Schiffsparade und des Empfangs von 15 afrikanischen Staatschefs an Bord des Flugzeugträgers Charles de Gaulle bleibt dieser Befreiungstag weiterhin tief im Schatten der internationalen Aufmerksamkeit.

Dabei waren die Schlachten nicht minder verlustreich. Eine halbe Million Soldaten landeten damals unter dem Befehl des US-Generals Patch von Nordafrika und Italien aus an der südfranzösischen Küste. Mehr als die Hälfte von ihnen entstammte der Afrika-Armee, überwiegend Freiwillige aus den damaligen französischen Kolonien. Allein Algerien zählte am Ende der Kämpfe 40 000 gefallene und 70 000 verwundete Soldaten muslimischen Glaubens.

Doch zur Gedenkfeier vor wenigen Tagen entsandten Amerikaner und Briten nur nachgeordnete Minister, andere Europäer fehlten völlig. So musste sich Präsident Chirac peinliche Fragen der Afrikaner gefallen lassen. Eine zusätzliche Belastung für das Kriegsgedenken war auch, dass Franzosen und Afrikaner das Trauma der Entkolonialisierung noch immer nicht ganz überwunden haben. Viele der afrikanischen Kriegsteilnehmer kehrten nach der Befreiung Frankreichs in ihre Heimat zurück, um ihr Land von französischer Herrschaft zu befreien. Gleichwohl gebührt den Franzosen das Verdienst, Afrika nach 60 Jahren endlich ein Stück näher an das Nachkriegseuropa gerückt zu haben.