Das Beste an diesem Film ist leider auch sein größtes Problem: Der Achtziger-Jahre-Touch. Oder eben Muff. In seinen guten Momenten zelebriert Coffee and Cigarettes das liebenswert verschwatzte Hängertum, mit dem Jarmuschs Kino vor fast zwanzig Jahren seinen Kultstatus begründete. In den schlechteren erweist sich der Regisseur als sein eigener Epigone. Tatsächlich ist Jim Jarmusch mit seinem zugleich neuen und uralten Werk aus der Zeit gefallen. 17 Jahre lang hat er an dem episodischen Kammerspiel Coffee and Cigarettes gedreht. Wann immer es sich ergab, sprach Jarmusch befreundete Künstler an, verabredete sich zu einem kleinen Dreh und ließ sie am Café- oder Restauranttisch Dialoge über Zigaretten, Koffein, Gott und die Welt oder was auch immer sprechen. Tom Waits und Iggy Pop reden über das Rauchen und behakeln sich mit gockelhaften Eitelkeiten, Steve Buscemi verkündet Verschwörungstheorien über Elvis Presley, der Musiker Jack White erklärt das physikalische Prinzip des Tesla-Trafos, Cate Blanchett spielt sich selbst und die Doppelrolle einer eifersüchtigen Cousine. In gediegenen Schwarzweißbildern tastet man den anderen ab, hüpft von der Lebensweisheit in die Konversation und zurück, streitet, schimpft, schweigt, schlürft Espresso und hüllt sich in blauen Dunst. So plätschert Coffee and Cigarettes als existenzialistisch eingefärbte Nummernrevue dahin und leidet doch unter dem Zwang, in kürzester Zeit möglichst viel Originalität und trockenen Witz in eine Szene zu quetschen. Jede Geste stimmt, jede Pointe sitzt, jeder Dialog folgt einer geschlossenen Minidramaturgie, die manchmal nicht allzu weit von Fernsehsketchen entfernt ist. Jarmuschs Film mag ein einziges lang gezogenes Freundschaftsprojekt sein, ein sympathischer Vignettenfilm über Sucht und Küchenphilosophie - und doch stellt sich auf die Dauer jene Langeweile ein, die immer dann entsteht, wenn sich Schauspieler etwas zu offensichtlich zum gemeinsamen Brillieren versammeln.