Dieses eine Wort – "Athen". Fast hat er ein wenig Angst davor. Gerd Kolbe sagt: "Bei Olympischen Spielen wird immer bis zum Schluss gearbeitet." Oder: "Gewisse Hänger gab es ja sogar in München." Das klingt abgeklärt, als müsste er Verzögerungen nicht auch bei seiner eigenen Arbeit befürchten – der Vorbereitung der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Genauer: in der Fußballstadt Dortmund. Doch ganz kann Kolbe den Gedanken nicht verdrängen, dass es auch in seiner Heimat mit der Organisation so knapp werden könnte wie in Griechenland. "Unser Ziel ist es, eher als am Eröffnungstag fertig zu werden und sagen zu können: Wir haben alles gut organisiert."

Gerd Kolbe ist WM-Beauftragter der Stadtverwaltung. Und Fußballfan. Er war mehrere Jahre lang Pressesprecher bei der Borussia, besitzt eine der größten BVB-Sammlungen überhaupt. Fast 30000 Einzelexponate. Kolbe mag den Sport, die Stadt, den Club, hat über Jahrzehnte die Fußballszene begleitet. Er ist ein guter Botschafter für Dortmund. Doch die WM vor der eigenen Haustür stellt ihn vor ganz neue Herausforderungen.

Helfen wird ihm dabei eine Gruppe von Wirtschaftsstudenten. Sie arbeiten ein Konzept für die Betreuung der Journalisten aus. "Wir wollen das Image des Ruhrgebiets aufmöbeln", sagt Tobias Wegmann. Der angehende Betriebswirt ist davon überzeugt, dass die Region in der öffentlichen Meinung zu schlecht wegkommt. "Ruhrgebiet, das ist für viele doch immer noch Schimanski, Hinterhof und Duisburger Hafen. Aber es hat sich hier sehr viel geändert", sagt Wegmanns Studienkollege Heiko Riebandt. Zusammen mit drei weiteren Kommilitonen von den Wirtschaftsschulen für Hotellerie und Gastronomie in Dortmund (Wihoga) schreiben sie momentan ihre Examensarbeit. Die Aufgabe: in zwei Semestern ein Wohlfühlpaket für das Journalistenheer schnüren, das während der WM Dortmund heimsuchen wird.

Denn die Stadt hat den Zuschlag für das "Medienzentrum West" bekommen. Bis zu 7000 Journalisten werden mehrere Wochen lang aus Westfalen berichten. Nicht nur über den Fußball, sondern auch über Land und Leute. Die Strategen im Rathaus reiben sich die Hände. Gelingt es, ein positives Bild der Region nach außen zu tragen, käme das einer gigantischen Imagekampagne gleich. Experten rechnen mit einem Werbewert in Höhe von 200 Millionen Euro.

Die Stadtverwaltung hat bereits klargemacht, dass sie zumindest Teile des Konzepts der Studenten übernehmen möchte. "Wir sind ganz froh darüber, dass sie diese Aufgabe übernommen haben", sagt Gerd Kolbe. Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass die Stadt Dortmund durch die Kooperation einige hunderttausend Euro einspart. Er ist zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Projekts, aber bleibt vorsichtig: "Was wir umsetzen, muss fehlerfrei sein", sagt er. "Das trifft für unsere gesamte Planung zu. Nehmen wir die Bettensituation in der Stadt: Wenn WM-Touristen kommen und die unter den Emscherbrücken kampieren müssen, dann werden die Journalisten natürlich eher darüber schreiben als über die Zukunftschancen des Ruhrgebiets."

Die Journalisten haben zwischen den Spielen im Westfalenstadion eine Menge Freizeit. Um genau diese Phasen geht es. In Bustouren sollen die Reporter das Ruhrgebiet neu kennen lernen. Das ist komplizierter, als es klingt. Zu jeder Tour muss ein Bus, ein möglichst spannendes und doch repräsentatives Ausflugsziel sowie eine mehrsprachige Reisebegleitung organisiert werden. Auf dem Wunschzettel steht beispielsweise die Besichtigung der modernen Bio-Tech-Betriebe in der Umgebung. Ausstellungen sollen den Strukturwandel der Region anschaulich machen. Und wenn dann noch Zeit ist, bekommen die Journalisten Gelegenheit, ihren WM-Stress in Erlebnisbädern wegzuplanschen.

Für das Projekt haben die Studenten bereits bei der IHK vorgesprochen, um mögliche Sponsoren zu gewinnen. Außerdem gab es ein Treffen mit dem Vorsitzenden des Dortmunder Sportjournalistenclubs. Der ständige Kontakt mit den einzelnen Interessenverbänden ist für Riebandt und den Rest der Gruppe der wichtigste und größte Teil der Arbeit. Am Ende sollen sich alle in dem durch ihre Planung entstandenen Selbstbildnis der Stadt wieder erkennen können.

Gerd Kolbe ist zuversichtlich. Bis Anfang 2005 werden die Studenten ihre Examensarbeit abgegeben haben. Dann muss geprüft werden, was davon verwirklicht werden kann. Knapp anderthalb Jahre hat die Stadt dann Zeit, die Ideen umzusetzen. Von Januar 2005 bis Juni 2006, das sind 17 Monate. Viel Zeit bis zum ersten Anpfiff.